Wie findet man die Sprungschicht oder die Thermokline am besten?

0
23
Wie findet man die Sprungschicht oder die Thermokline am besten?
Bewerte den Artikel

Die Sprungschicht oder auch Metalimnion oder Thermokline finden wir in vielen Seen. Sie entsteht durch die unterschiedlichen Dichteeigenschaften des Wassers bei unterschiedlichen Temperaturen. Sie liegt zwischen einer wärmeren Schicht im Oberwasser (Epilimnion) und einer kälteren Schicht darunter, das Hypolimnion. Für uns Angler ist diese Schicht von besonders großer Bedeutung, da sie einen entscheidenden Einfluss auf den Lebensraum und das Vorhandensein der Fische hat. Bevor wir uns um das Finden der Sprungschicht kümmern, schaffen wir noch ein paar Grundlagen, damit man die wirklich großen Räuber oder besser Hechte an den Haken bekommen kann.

Was zeichnet die Sprungschicht oder Thermokline aus?

Die Temperatur oder ein ungemütliches zu Hause

Sprungschicht Thermokline See
Die Sprungschicht zu finden ist wichtig, für das Angeln.

Die Sprungschicht ist eine Wasserschicht, in der die Temperatur sehr stark abfällt. Man kann sagen, dass das Wasser sich je Meter um 1°C abkühlt. Für Fische hat das eine sehr große Auswirkung auf ihr Leben, denn nicht alle Fische mögen eine solch starke Temperaturveränderung. Zusätzlich reichern sich in dieser Schicht Schwebeteilchen und auch Plankton an, die diese Sprungschicht in eine trübe Suppe verwandeln. War das Wasser im Epilimnion (Oberschicht) noch klar und warm, ist das Wasser in der Thermokline kalt und trüb.

Einige Fische wie der Hecht mögen diese kühlen Temperaturen und gerade die kapitalen Hechte verlegen im Hochsommer aktiv ihren Standort in die Sprungschicht. In der Thermokline können sie sich verstecken und aus diesem Versteck auf vorbei schwimmende Beute lauern.

Der Sauerstoffgehalt oder der Kampf um das Überleben

Eine weitere wichtige Veränderung innerhalb der Sprungschicht kann die Reduzierung des Sauerstoffgehaltes sein. Wir möchten noch mal das Wort „kann“ deutlich betonen! Denn entgegen einem oft verbreitetem Mythos, dass sich Fische nur oberhalb der Sprungschicht oder der Thermokline aufhalten, stimmt das nur manchmal. In anderen Fällen können sich Fische locker weit unterhalb der Sprungschicht aufhalten. Wer diesem Mythos verfällt lässt sich so manch guten Fang beim Angeln entgehen. Schauen wir uns die Sache mit den Sauerstoffgehalt der Sprungschicht oder der Thermokline mal genauer an.

Ob sich der Sauerstoffgehalt innerhalb der Sprungschicht rapide reduziert, so dass ein Leben dort nicht mehr möglich ist, hängt unter anderem von der Art des Gewässers ab. Handelt es sich um ein oligotrophes Gewässer, also meist um einen tiefen klaren kalten nährstoffarmen See, reduziert sich der Sauerstoffgehalt bis zum Grund des Sees merklich wenig. Die Fische wie Lachse, Forellen, Stinte oder alle anderen vorkommenden Fische können den Grund dieser Seen erreichen, so dass sich Beute und Raubfische auch in Grundnähe aufhalten. Der hohe Sauerstoffanteil ermöglicht auch am Grund noch das Pflanzenwachstum, sofern es das Licht bis zum Grund schafft. Wer also in diesen Seen fleißig oberhalb oder in der Sprungschicht sein Angelglück versucht … naja, Petri Heil.

In Seen die flacher und trüber sind, sieht die Sache schon anders aus. In diesen eutrophen oder mesotrohen Seen ist der Sauerstoffgehalt im Wasser generell geringer als in oligotrophen Seen, so dass es in diesen Seen z.B. keine natürlich vorkommenden Fische wie Forellen gibt. Diese Seen werden hauptsächlich von Barschen und Weißfischen etc. bewohnt. Eutrophe Seen sind flach und sehr trüb. Mesotrophe Seen sind irgendwo zwischen eu- und oligotroph anzusiedeln. Die Trophiestufe eines Gewässers wird z.B. durch den Nährstoffgehalt des Wassers bestimmt. Auf die genauen Eigenschaften und Auswirkungen der verschiedenen Arten von Seen gehen wir in unserem Buch „Modernes Fische finden – Der Zander“ noch mal sehr detailliert ein. Mehr Infos hier in dem Blog würde vom Thema Fische finden in der Sprungschicht ablenken. So weiter im Text.

In diesen beiden Seetypen (eutroph und mesotroph) reduziert sich in der Sprungschicht nicht nur die Temperatur, sondern auch der Sauerstoffgehalt und zwar auf ein lebensfeindliches Niveau für die Fische. Dies aber nicht gleich zu Beginn der Entstehung der Sprungschicht. Gerade zum Ende des Frühjahrs ist auch unterhalb der Sprungschicht reichlich Sauerstoff vorhaben. Dieser verbraucht sich langsam und zur Mitte des Sommers hin, wird es dann für die Fische gefährlich. Lange können sie unterhalb der Sprungschicht nicht überleben. Zieht es sie trotzdem unterhalb der Thermokline? Ja, denn gar nicht so selten steigen Fische ab, um den Räubern zu entkommen. Dafür entfliehen sie in den sauerstoffarmen Bereich. Wir wissen ja, dass Fische an Land nicht sofort sterben, sondern es auch an Land ohne Sauerstoff einige Minuten aushalten. Anders als wir Menschen.


Wann und wie entsteht die Sprungschicht oder die Thermokline?

Schichtung-von-Fluessigkeiten-SprungschichtDie Sprungschicht entsteht durch das unterschiedliche Dichteverhältnis unterschiedlich warmen Wassers. Beim Wasser hat die Temperatur auf die dichte einen sehr großen Einfluss. Man kann sich die Sprungschicht bildlich vielleicht mit einem Latte Machiato vorstellen. Auf die warme Milch wird heißer Espresso gegossen. Was passiert? Der heiße Espresso schwimmt auf der Milch. Die Schichten vermischen sich erst wenn der Espresso soweit abkühlt, dass die Dichte beider Flüssigkeiten nahezu gleich ist.

Auszug

aus „Moderndes Fische finden – Der Zander“ Kap. 8.2.2 Seite 110

Die thermische Schichtung eines tieferen Sees kann in vier Abschnitte unterteilt werden. Sie ist nicht das ganze Jahr über gleich. Fische müssen sich an diese unterschiedliche Verteilung anpassen, da die thermische Schichtung einen großen Einfluss auf das Vorhandensein von Nährstoffen oder gelöstem Sauerstoff hat. Für uns Angler hat die Sprungschicht eine große Bedeutung, da sie in eutrophen und mesotrophen Seen eine natürliche Barriere für Fische ist und sie in die oberen Wasserschichten gezwungen werden.

Die Frühjahrszirkulation

fruehjahrszirkulation Sprungschicht
Zu Beginn des Frühjahrs erwärmt sich das eiskalte Oberflächenwasser langsam. Sobald es an der Oberfläche die 4°C erreicht, hat die gesamte Wassermasse die gleiche Temperatur. Das Wasser kann sich ungehindert über die gesamte Wassersäule vermischen und das sorgt für einen kompletten Nähr- und Sauerstoffaustausch.

Die Sommerstagnation

Sommerschichtung eines Gewässers - SprungschichtAnfang, Mitte oder zum Ende des Frühjahrs, erwärmt sich das Wasser an der Oberfläche weiter. Dies sorgt für eine unterschiedliche Dichte des Wassers. Das wärmere nicht so dichte Wasser liegt auf dem unteren noch 4°C kalten Wasser wie ein Deckel. Das Wasser stagniert und zirkuliert nicht mehr. Die Trennschicht der oberen (Epilimnion) und unteren (Hypolimnion) Wasserschicht ist die uns bekannte Sprungschicht (Metalimnion). Diese Schichtung beginnt je nach Breitengrad und beginnender Erwärmung des Wassers irgendwann im Frühjahr oder zum Sommer hin.

Die Herbstzirkulation

Herbstvollzirkulation eines SeesZum Herbst hin kühlt sich das Oberflächenwasser wieder ab, bis sich die Temperaturen der oberen und unteren Schicht gleichen. Dann fällt die obere Wasserschicht förmlich Richtung Grund. Das Wasser vermischt sich, so dass auch die untere Wasserschicht wieder mit Nährstoffen und Sauerstoff angereichert wird. Das Wasser zirkuliert vollständig. Für die Fische ist der Boden als Futterquelle wieder erreichbar. Die Räuber werden ihrer Beute folgen und dort jagen, wo sie sich aufhält.

Die Winterstagnation

Winterschichtung eines SeesIm Winter kühlt sich die Oberfläche des Wasser ab. Ab 0°C entsteht eine Eisschicht an der Oberfläche. Die Dichte des 4°C kalten Wassers am Boden ist am größten, so dass kälteres Wasser oder eine Eisschicht auch hier wieder wie ein Deckel auf der unteren Wasserschicht liegen. Eine Zirkulation findet zwischen den Schichten nicht statt.


In welchen Gewässern entsteht die Sprungschicht?

Die Sprungschicht entsteht in stehenden tiefen Gewässern. In flachen Seen z.B. erwärmt sich das Wasser nahezu gleich bis zum Grund, so dass sich eine Sprungschicht nicht ausbildet. Ist ein See also bis 7 Meter tief, müssen die Umstände schon gut sein, damit sich eine Thermokline oder Sprungschicht bildet.

An dieser Stelle sollten wir uns aber bewusst machen, dass es eine thermische Schichtung (also unterschiedlich warme Wasserschichten) trotzdem in allen Seen gibt. Auch der Sauerstoffgehalt spielt in flachen Gewässern ohne Sprungschicht eine große Rolle. Im Hochsommer kann in diesen flachen Seen schon knapp unter der Oberfläche der Sauerstoff sehr knapp werden. Warmes Wasser löst Sauerstoff nicht so gut. Die Fische werden dann in kühleres tieferes Wasser abtauchen, wenn dieses vorhanden ist. Fische konzentrieren sich auf einen sehr kleinen Bereich in der Tiefe oder es setzt sogar ein Fischsterben ein. Die Sprungschicht ist also nicht immer gleich mit einem Mangeln an Sauerstoff zu setzen. Beide Phänomene (Temperatur- und Sauerstoffabfall) existieren auch unabhängig voneinander. Für ein erfolgreiches Angeln muss uns das bewusst sein.


In welcher Tiefe befindet sich die Thermokline oder Sprungschicht?

Tja, die Tiefe der Sprungschicht. In welcher Tiefe sich die Sprungschicht befindet hängt von verschiedenen Faktoren ab. Zum einen beeinflusst die Jahreszeit die Tiefe der Sprungschicht. Im späten Frühjahr, wenn sich das Oberflächenwasser nachhaltig erwärmt hat, befindet sich eine entstandene Sprungschicht weiter oben in der Wassersäule. Je mehr Wasser in einem See erwärmt wird, desto tiefer sinkt die Sprungschicht. Die Thermokline kann sich im Hochsommer gerne mal in 10 m oder noch tiefer befinden. Zum Herbst hin, wenn das Wasser sich wieder abkühlt, ändert sich wieder ihre Tiefe.

Auch beeinflusst der Wind die Lage der Sprungschicht. Ein starker Wind kann sie auf der einen Seeseite nach oben und auf der anderen nach unten drücken. Die Fische passen sich dem an und nutzen jetzt zugängliche Unterwasserberge oder verlassen Plätze, die sich aufgrund der Verschiebung unterhalb der Thermokline befinden.


Wie erkennt man die Sprungschicht oder Thermokline?

Auszug

aus „Moderndes Fische finden – Der Zander“ Kap. 8.2.2 Seite 115

So sieht die Sprungschicht auf einem Echolot aus!Moderne Technik: Die Sprungschicht ist mit einem Echolot sehr gut zu erkennen. Aufgrund der hohen Ansammlung von Schwebeteilchen, Algen und Plankton reflektiert sie die Echolotsignale mal mehr oder weniger stark. Beim Echolot muss die Empfindlichkeit optimal eingestellt sein, damit man die Sprungschicht gut findet. Aber wenn man sie hat, dann heißt das meistens auch Angelerfolg. Mehr zum Thema Echolot und optimale Einstellungsmöglichkeiten gibt es in unserem Buch “Der große Echolot Ratgeber”


Eine weitere Möglichkeit ist ein Temperaturlogger. Er wird an einem Kabel ins Wasser herab gelassen und zeichnet die Temperatur in der jeweiligen Tiefe auf. Zieht man den Temperaturlogger wieder hoch, kann man sich die Aufzeichnung anschauen. In der Tiefe, in der die Temperatur um mehr als 1 Grad abfällt (je Meter) beginnt die Sprungschicht. Das in Deutschland beste Angelgerät hierfür ist aktuell das Anaconda GT.

Wenn wir uns im Bild oben die Werte mit dem Anaconda anschauen, können wir den Temperaturabfall deutlich mit dem Anaconda GT erkennen.

Tiefe in MeterTemperatur in °C
120,0
219,8
319,6
419,5
519,4
618,2
717,4
816,3

 


Anaconda GTM Fish Hawk (digitaler Temperatur & Tiefenmesser)
Von
Preis: EUR 169,95
3 neu von EUR 168,310 gebraucht
Anaconda GTM Fish Hawk, elektronischer Temperatur & Tiefenmesser, digitale LCD-Anzeige, Gewicht: 80g, Maßeinheiten in Celcius/Meter bzw. Fahrenheit/Fuß umstellbar,
Tiefenbereich: 0 - 90m / 0 - 300ft., Temperaturbereich: 0 - 38,9°C / 32 - 102°F, Messschritte: 1m / 5ft. 100% wasserdicht & stoßfest, einstellbar auf Salz- und Süßwasser

Angeln in der Sprungschicht oder Thermokline

Pelagish oder vertikal oder doch schleppen? Ja, alle Angeltechniken sind möglich. Mit einem Echolot kann man auf den Bildschirm gut Fische und Unterwasserberge erkennen. Auch kann man auf dem Echolotbildschirm seinen Jig deutlich beim herabsinken beobachten, sofern man unmittelbar unter dem Echolotgeber angelt. Auf der Tiefenanzeige wird die aktuelle Tiefe des Jigs dann sichtbar.

Mit einer GPS-Karte im Echolot oder Smartphone kann man die Hotspots auch noch direkt ansteuern. Wir nutzen zu Hause die WebApp von Navionics.
Sprungschicht sichtbar machen
Man kann so, im Menü rechts in den Kartenoptionen die gewünschte tiefe einstellen. Befindet sich die Sprungschicht in einer Tiefe von z.B. 6 m, stellt man die Sichttiefe auf diesen Wert ein.

Alles unterhalb der 6 m wird in unserem Beispiel in weiß dargestellt. Alles was blau ist, befindet sich oberhalb der Sprungschicht und kann von den Fischen bewohnt werden. Jetzt wird es wichtig. Echte Hotspots sind die Spitzen der Unterwasserberge, die quasi aus der Sprungschicht herausragen (s. Pfeile). An diesen Hotspots stapeln sich die Fische. Am besten sind die Unterwasserberge, die ganz von tiefem Wasser umgeben sind. Für die Fische ist der über der Sprungschicht liegende Gewässergrund, Ruhe- und Fressplatz in einem. Manche vergleichen diese einmaligen Situationen wie mit dem Ausverkauf in einem Grabbelshop – solch ein Getummel an Fisch herrscht dort.

Merke

die Sprungschicht oder die Thermokline ist ein wichtiger Faktor für Fische und Angler. Bildet ein See im Sommer diese Schicht aus, bestimmt sie das Leben unter Wasser. Fische müssen sich an die geänderten Bedingungen in ihrem Lebensraum anpassen und werden gezwungen ihre Standorte zu verändern. Für uns Angler ist die Sprungschicht Fluch und Segen gleichzeitig. Auf der einen Seite müssen wir sie erkennen. Das ist teuer! Ebenso funktionieren Hotspots die im Herbst und Frühling wirklich gut waren, im Sommer gar nicht mehr. Auf der anderen Seite, limitiert die Sprungschicht in vielen Gewässern die Anzahl möglicher Hotspots. Gerade in großen Gewässern, konzentrieren sich die Fische auf wenige Bereiche, so dass wir genau die Tiefe und auch die Hotspots für einen erfolgreichen Fang abschätzen können. Man muss nicht mehr so viel suchen. Nur wer die Funktionsweise der Sprungschicht oder Thermiokline versteht, wird im Sommer noch erfolgreicher angeln können.

Auch lesenswert

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Bitte trage deinen Namen hier ein