An welchen Hotspots sind Hechte in Flüssen häufiger zu finden? – Erweiterung Hechtbuch

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Modernen Fische finden - Der Hecht exklusiv

Die Hotspots in Flüssen haben zwar viele Gemeinsamkeiten mit den Hotspots in stehenden Gewässern, aber sie unterscheiden sich in ein paar Punkten essentiell. Im folgenden Artikel werden wir diesen bestimmten Hotspots auf die Schliche kommen. Dazu nutzen wir eine Studie in der Hechte über einen langen Zeitraum getreckt und verfolgt wurden.

Um ein Gefühl für das Verhalten der Hechte im Fluss zu bekommen, schauen wir uns die Ergebnisse einer Studie im Fluss Yser näher an (belgisches Staatsgebiet).

Welche Merkmale haben Hotspots für Hechte in einem Flachlandfluss?

Quelle: “Habitat use and preference of adult pike (Esox lucius L.) in an anthropogenically impacted lowland river”

Ziel der Studie

Die Untersuchung konzentrierte sich auf die Fragestellungen, welchen Lebensraum die Hechte in einem Fluss bevorzugen. Dazu wurden die Flussmerkmale, also die des Hauptstroms, der Nebenflüsse und Seitenarme, die Strömungsverhältnisse und die Uferbeschaffenheit dahingehend einbezogen, ob und in welcher Weise sie bei der Revierauswahl von Hechten von Bedeutung sind.

Für die Untersuchungen wurden 15 erwachsene Hechte dem Gewässer entnommen, mit einem Sender ausgestattet und wieder eingesetzt. Im Zeitraum November 2010 bis Mai 2011 erfolgte die Datenerfassung über den jeweiligen Hechtstandort in einem Zwei-Tage-Rhythmus. So lagen insgesamt von allen Messtagen über 800 Messungen zu 15 Hechten vor. Die Genauigkeit konnte auf  ±4 m bestimmt werden.

L'Yser Fluss Gewässerbild -_panoramio wikimedia

 

Das Kanalsystem des Yser

Studiengebiet

Der belgische Teil des Flusses Yser ist ca. 44 km lang. Er ist durchschnittlich 2,5 m tief, an der tiefsten Stelle 5 m. Die Flussbreite variiert zwischen 8 und 25 m. Die Yser führt an der Mündung Brackwasser, da der Fluss in die Nordsee mündet. Kurz vor der Mündung gibt es ein 370 x 1.000 m großes und 7 m tiefes Becken, das die Hechte des Flusses ohne Hindernisse erreichen können.

Fluss Yser Grafik - Hechtbuch Flussverlauf Vom Hauptfluss im Studiengebiet gehen vier Nebenflüsse (NF) und sechs Seitenarme (SA) ab. Sie unterscheiden sich in Tiefe und Breite. Zwei Seitenarme sind natürlich (SA 1 + 2), die andren vier Seitenarme sind künstlich (SA 3–6) angelegt worden.

Nebenflüsse Yser - Hechtbuch

NebenflüsseBreiteTiefe
NF110 - 15 m1 - 2,5 m
NF210 - 15 m1 - 2,5 m
NF34 - 10 m< 2 m
NF44 - 10 m< 2 m

Die unterschiedliche Größe der Nebenflüsse könnte die Hechte unterschiedlich stark anziehen.

Seitenarme Yser - Hechtbuch

SeitenarmeBreiteTiefeEntstehung des
Seitenarms
SA110 - 20 m0,5 – 1,5 mnatürlich
SA210 - 20 m0,5 – 1,5 mnatürlich
SA310 - 20 m0,5 – 1,5 mkünstlich
SA410 - 20 m0,5 – 1,5 mkünstlich
SA510 - 20 m0,5 – 1,5 mkünstlich
SA610 - 20 m0,5 – 1,5 mkünstlich

Die Seitenarme sind alle sehr flach. Die vier künstlichen Arme sind seit 2002 entstanden und weisen dieselbe Vegetation auf wie die anderen Seitenarme, der Haupt- und die Nebenströme. Links und rechts sind ausgiebige Schilfbänke und eine üppige Vegetation vorhanden. 


Das Ufer des Yser

Im Studiengebiet im Kanalsystem der Yser konnten acht verschiedene Lebensräume am Ufer ausgemacht werden. Sie unterscheiden sich in der Vegetation am Ufer selbst und darin, wie der Uferbereich entstanden ist bzw. befestigt wurde.

Die Vegetation am Ufer

L'Yser Fluss Gewässerbild -_panoramio wikimedia Kopie

A – kaum bewachsenes Ufer

B – schilfbewachsenes Ufer

C – mit Bäumen oder Sträuchern bewachsenes Ufer

Uferbereich bzw. -befestigung

Roesbrugge_and_Yser_wikipedia

40% der Ufer sind natürlich belassen, während 60% des Uferbereiches künstlich bearbeitet und befestigt wurden, weil das Kanalsystem die umliegenden Felder entwässert und Regenwasser abführt. Wer sich beide vorangegangenen Bilder genau anschaut, erkennt die Unterschiede der einzelnen Uferbereiche sehr deutlich. Die Befestigungen sind notwendig, damit das Ufer nicht abgetragen wird. Die drei Uferbereiche bzw. -befestigungen können weiter unterschieden werden in:

Künstliche Uferbefestigung (mit Beton begradigte und verstärkte Ufer)

Künstlich aufgeschüttete Bereiche vor dem Ufer (mit Holzpfählen geschütztes Ufer). Die Pfähle sind 0,7 bis 2,5 m vom Ufer entfernt in den Grund gerammt. Sie schützen das Ufer vor Strömung und Wellen. Zwischen den Pfählen und dem Ufer hat sich hauptsächlich Schilf verbreitet. Von locker bis dicht bewachsen ist alles dabei.

Naturnahes Ufer. Das übrige Ufer ist mehr oder weniger natürlichen Ursprungs und mit Schilf bewachsen. Die Schilfgürtel werden z.B. durch Bäume und Sträucher aufgelockert. 

Anhand dieser unterschiedlichen Uferbereiche und der unterschiedlichen Vegetation konnten acht verschiedene Ufertypen in diesem Gebiet bestimmt werden. Diese kommen unterschiedlich oft im gesamten Studiengebiet (1.100 qm) des Hauptflusses und aller Nebenflüsse und -arme vor.

  • Typ 1 – künstliche Uferbefestigung ohne nennenswerten Bewuchs 
  • Typ 2 – künstliche Uferbefestigung mit Schilf
  • Typ 3 – künstliche Uferbefestigung mit Gehölzen
  • Typ 4 – naturnahes Ufer ohne nennenswerten Bewuchs
  • Typ 5 – naturnahes Ufer mit Schilf
  • Typ 6 – naturnahes Ufer mit Gehölzen
  • Typ 7 – künstliche, mit Holzpfählen befestigte Ufer ohne nennenswerten Bewuchs
  • Typ 8 – künstliche, mit Holzpfählen befestigte Ufer mit Schilf

Wir sehen, dass über 60% des Ufers ohne nennenswerten Bewuchs ist (Typ 1, Typ 4, Typ 7). Über 30% sind mit Schilf bewachsen (Typ 2, Typ 5, Typ 8) und nur eine sehr geringe Strecke des Ufers ist mit Gehölzen bewachsen.

Die Hechte

Die 15 Hechte wurden an 15 verschiedenen Stellen gefangen (9 weiblich, 6 männlich). Sie wurden mit einem Transmitter versehen und wieder zurückgesetzt. Ein Hecht ist während der Studie verendet. 14 konnten im Winter observiert werden und 12 im Frühjahr. Insgesamt wurde dabei 814 Mal der Standort eines Hechts ermittelt. Für die Ortung wurden wissenschaftliche Methoden angewendet, die eine 95% Chance ermöglichen, die Hechte zu orten. Vier der Hechte stellen wir euch hier näher vor.

Hecht NummerGeschlechtLänge beim FangGewichtAnzahl der
Observationen
1m82 cm5,01 kg58
2w55 cm1,12 kg63
3w78 cm3,70 kg59
4w99 cm8,15 kg66

Ergebnisse – Wer die Wahl hat, wählt den …?

Kommen wir nun also zu der Frage aller Fragen in diesem Abschnitt: Wo sind die Hechte in diesem Kanalsystem im Winter und Frühjahr am häufigsten? Die folgenden Bilder stellen einige markierten Positionen dar und geben einen Eindruck über den Aktionsradius der Hechte. Wir verweisen noch mal auf das Kapitel 3.2. des Hechtbuches – so dass der Aktionsradius nicht mit einem Revier verwechselt wird.

 

Unserer Meinung nach werden in der Studie verschiedene Resultate erzielt. Diese sind mathematisch oder statistisch belegt, es bleibt uns aber ein individueller Interpretationsspielraum. Wenn wir den Lebensraum der Hechte in dem Flusssystem betrachten, das mit seinen vielen Seitenarmen und Kanälen einen sehr abwechslungsreichen Lebensraum darstellt, waren die Hechte trotzdem am häufigsten im Hauptstrom der Yser zu finden.

Im Winter waren sie zwischen 25% und 95% der Zeit dort anwesend. Zwei der Hechte wurden sogar ausschließlich im Hauptstrom geortet. Von allen sechs Seitenarmen statteten die Hechte nur den beiden natürlichen Seitenarmen (SA1+2) einen Besuch ab. In den künstlich geschaffenen Seitenarmen (SA3–6) wurde weder im Winter noch im Frühjahr ein Hecht geortet. Das ist sehr interessant, da die künstlichen Seitenarme optisch nicht von den natürlichen Seitenarmen zu unterscheiden waren und der Uferbewuchs derselbe war wie im ganzen Flusssystem. 

Im Winter wurden die Hechte öfter in den Seitenarmen (29% der Observationen) als in den Nebenflüssen gefunden (11% der Observationen). Im Frühjahr änderte sich das und die Hechte waren jetzt öfter in den großen Nebenflüssen (10% der Observationen), als in den kleinen Seitenarmen zu finden (3% der Observationen).

Ergebnis 1 

Es an dieser Stelle ist schon klar erkennbar, dass die Hechte sehr unterschiedliche Vorlieben für ein oder mehrere Reviere haben. Sie steuern diese Reviere unterschiedlich oft an, der eine mehr, der andere weniger. 

Einige Reviere werden anscheinend klar bevorzugt. Den größten Teil der Zeit verbrachten die Hechte im Hauptstrom, im Durchschnitt ca. 3/4 der gesamten Zeit. Der Hauptstrom des Yser ist nun kein riesiger reißender Fluss, sondern mit einer Breite von 8 bis 25 m eher ein Strom. Damit bietet er den Hechten anscheinend recht passable Lebensbedingungen. Zu erwähnen ist noch, dass die Laichzeit wahrscheinlich ebenfalls in die Studie reinfiel, so dass einige Ortungen im Frühjahr der Laichzeit geschuldet sind.

Ergebnis 2

Die Seitenarme scheinen für die Hechte eine große Rolle zu spielen. Nur ca. 1/4 der Hechte statteten ihnen einen Besuch ab, unabhängig davon, ob es Frühjahr oder Winter war. Zu erklären ist das wahrscheinlich mit der Beuteverfügbarkeit und den Jagdbedingungen im Hauptstrom: Viele Fische verlassen in der kalten Jahreszeit den Hauptstrom eines Flusses. Die Fließgeschwindigkeit ist wesentlich höher als in den Sommermonaten, da die Wasserpegel mit dem Herbstbeginn allgemein steigen.

Geht die Vegetation ab dem Spätsommer zurück, fehlt sie, um die Strömung zu bremsen. Den Fischen stehen nun viel weniger strömungsberuhigte Bereiche zur Verfügung. Aus diesem Grund verlassen viele, zumindest für längere Zeiträume, den Hauptstrom. 

Zusätzlich ist der Hecht in stark fließendem Wasser kein guter Jäger, so dass er in den Seitenarmen in der Regel bessere Jagdbedingungen vorfindet. In den Wintermonaten ist der Pflanzenbewuchs im Flussbett der Seitenarme noch nicht so stark ausgebildet, so dass die großen Hechte nicht durch einen dichten Pflanzenteppich behindert werden. Die Seitenarme geben den Hechten auch Zugang zu den Gräben, die im Winter zu ihrem Jagdrevier gehören. Aber nicht nur aus Sicht der Ausbeute sind die Seitenarme interessant, sie bedeuten auch einfach nur eine Erholung von der Strömung.

Welches Ufer bevorzugen die meisten Hechte?

Der Aktionsradius von Hechten kann zwar groß ausfallen, aber das Revier eines Hechtes umfasst häufig nur wenige Meter. Hechte können ihr Reviere in ihrem Aktionsradius verlegen. Sie haben zwar theoretisch die freie Wahl, wo sie ihr haben, aber ganz so einfach ist es nicht.

Fließgeschwindigkeit, Vegetation oder die Erreichbarkeit anderer Reviere zählen ebenfalls zu den Kriterien bei der Revierwahl. Auch die Verfügbarkeit der Beute und die Versteckmöglichkeiten für eine optimale Jagd sind entscheidend. Einflüsse wie ein plötzlicher Mangel an Beutefischen können eine Verschiebung des Reviers notwendig machen. Andere Hechte haben ebenfalls einen signifikanten Einfluss auf das Revier: Ist ein Revier besetzt, müsste es sich ein anderer Hecht erst erkämpfen. Aus diesem Grund stehen Hechte meist verteilt an den Uferlinien.

Um die Studie auszuwerten, müssen wir die Häufigkeit eines Ufertyps in Relation zu den georteten Hechten betrachten. Wenn 40% der Uferstrecke Typ 4 ist (naturnahes Ufer ohne Bewuchs) und 40% der Hechte an diesem Ufer zu finden sind, macht das dieses Ufer noch nicht zu einem Hotspot. Erst wenn mehr als der Durchschnitt der Hechte diesen Ufertyp wählen würden, könnten wir von einem Hotspot reden.

Ergebnis 3

Wenn wir das gesamte Kanalsystem betrachten, fanden an den Ufern des Typs 1, 4 und 5 die meisten Ortungen der Hechte statt. Das Ergebnis ist noch kein Wow wert, denn es ist vorhersehbar: Wenn diese Ufertypen so häufig vorkommen, dann stehen dort logischerweise auch die meisten Hechte. Das ist jetzt zwar schön zu wissen, aber bringt uns noch kein Stück weiter, da die drei Ufertypen zusammen achtzig Prozent des gesamten Ufers ausmachen. Viele Hechte bedeuten noch nicht zwangsläufig einen Hotspot, wenn sie auf einer langen Strecke zu finden sind.

Was ist ein Hotspot?

Ein Hotspot ist ein Angelbereich, in dem mehr Hechte sind, als wir durchschnittlich erwarten können. Zahlen und ein wenig Theorie sollen uns das noch mal verdeutlichen.

Wir reduzieren unser Studiengebiet auf eine Strecke von 1.000 m. Die Uferbereiche lassen wir gleich verteilt, so dass vierzig Prozent, also 400 m naturnahes Ufer ohne nennenswerten Bewuchs (Typ 4) sind. 200 m sind naturnahes Ufer mit Schilf (Typ 5) und 50 m sind naturnahes Ufer mit Gehölzen (Typ 6) (Verteilung s. Diagramm S. xxx).

Befinden sich nun 20 Hechte auf diesen 1.000 m, könnte man bei gleichmäßiger Verteilung von Folgendem ausgehen:

  • 8 Hechte sind im Bereich des Typ 4 Ufers auf 400 m verteilt
  • 4 Hechte sind im Bereich des Typ 5 Ufers auf 200 m verteilt
  • 1 Hecht ist im Bereich des Typ 6 Ufers auf 50 m verteilt

Bei gleicher Verteilung steht alle 50 m ein Hecht. Zum Hotspot werden die einzelnen Uferbereiche erst, wenn sich mehr als ein Hecht auf den beispielhaften 50 m tummelt. 

Jetzt verlegt einer der acht Hechte vom Ufer des Typ 4 sein Revier an das naturnahe Ufer mit Gehölz (Typ 6). Es verbleiben immer noch sieben Hechte dort, so dass in diesem Uferbereich die meisten Hechte geortet werden. Wir finden also alle 57 m einen Hecht (400 m / 7). Viel weniger als an den anderen Uferbereichen. Das beweist, dass viele Hechte nicht zwangsläufig einen Hotspot bedeuten.

Zum Hotspot wurde jetzt aber der Uferbereich vom Typ 6, da sich auf 50 m zwei Hechte befinden. Also alle 25 m freut sich ein Hecht auf unseren Köder. 

Merke

Ein Hotspot weist mehr Hechte auf, als wir eigentlich von ihm erwarten können. Die folgenden Ergebnisse grenzen unsere Suche weiter ein.

Ergebnis 4

Laut der Studie dominiert ganz klar und vor allem im Winter das naturnahe Ufer mit Schilf (Typ 5). Es ist häufiger mit Hechten besetzt als mindestens fünf andere Uferbereiche. Im Frühjahr und insbesondere im Winter stehen mehr Hechte in diesem Uferbereich als man erwarten kann.

Das belegen auch die Ergebnisse anderer Studien. Hechte werden vor allem in der kalten Jahreszeit von Standorten mit Schilf angezogen. Damit stehen die meisten Hechte in der kalten Jahreszeit wahrscheinlich nahe an den Uferkanten des Typ 5 (20% der Uferlänge). Hechte folgen ihrer Beute, die langsam fließendes Wasser sucht, um nicht durch unnötige Schwimmbewegungen Energie zu verschwenden. Langsam fließendes Wasser gibt es nahe am Ufer und in den Seitenarmen. 

Im Frühjahr war das in unserer Studie ähnlich. Auch hier lag das naturnahe Ufer mit Schilf weit vorne, wenn auch nicht so stark wie im Winter. Wir können nun die möglichen Hotspots für das Angeln auf Hecht schon mal auf 1/5 der Uferlänge reduzieren, was aber immer noch eine weite abzuangelnde Strecke darstellt.

Für alle, die keine Lust haben, die langen Schilfgürtel abzuangeln oder erstmal zu erreichen, da sie nicht mit dem Boot unterwegs sind, tauchen wir noch tiefer in die Studie ein.

Anmerkung

Nicht jeder Ufertyp kann von vielen Hechten besetzt werden. Nehmen wir den Typ 3 als Beispiel, mit künstlicher Uferbefestigung mit Bäumen oder Sträuchern. Dieser Typ ist auf 1% des gesamten Uferbereiches zu finden. Wenn Typ 3 der ultimative Hotspot wäre, gäbe es zu wenig Platz für alle Hechte, da es zu wenig Bäume am Ufer des Flusssystems gibt. 

Ergebnis 5

Kommen wir zum letzten Ergebnis und starten mit der Frage, welchen Ufertyp ein Hecht mehr bevorzugt unter denen, die in seinem individuellen Aktionsradius bzw. Revier vorhanden sind? 

Diese Frage bedarf noch einer kleineren Erläuterung. Nicht jeder Ufertyp ist gleichmäßig am Ufer vorhanden. Im Studiengebiet der Yser gibt es z.B. auf mehreren hundert Metern nur künstliches Ufer ohne Bewuchs (Typ 1, 20%) und noch mehr naturnahes Ufer ohne Bewuchs (Typ 4, 40%). Vielleicht werden diese Uferlinien mal von dem einen oder anderen Baum unterbrochen (Typ 3 + Typ 6). Aber das war es dann auch schon. 

Und jetzt wird es spannend. 

Frühjahr 

Das Ufer von Typ 1 (künstliches Ufer mit nennenswerten Bewuchs) kommt nur zu 20% vor. Wer hier entlang spaziert, trifft ab und zu auch mal auf einen Baum oder Strauch (Typ 3). Und das ist im Frühjahr unser Jackpot: Wenn Hechte sich in der Nähe künstlicher unbewachsener Ufer befinden, werden sie magisch von den vereinzelten Bäumen und Sträuchern angezogen. 

Wer auf eine solche Angelstrecke trifft, kann einfach an jeden Baum oder Strauch haltmachen und das Gebiet drumherum ausgiebig beangeln.

Winter

Im Winter sticht das Ufer vom Typ 7 hervor. Das künstlich mit Holzpfählen gestaltete unbewachsene Ufer ist nur auf 2% des Studiengebietes vorhaben. Nur wenige Hechte können hier ihr Revier aufschlagen, aber wenn dieser Ufertyp vorhanden ist, dann wird dort wahrscheinlicher ein Hecht sitzen.


Merke

Die Studie zeigt sehr deutlich, wie Reviere bzw. der Aktionsradius von Hechten in einem Flusssystem aussehen kann. Es ist deutlich zu erkennen, dass Hechte nicht nach dem generell besten Standort suchen, sondern nach dem besten verfügbaren Standort. 

Gerade beim Angeln werden sehr schnell allgemeine Aussagen getroffen: Der Hecht steht im Fluss hier – der Hecht steht im Fluss da. Vielleicht macht es ein wenig mehr Sinn, Verallgemeinerungen mit ein wenig Abstand zu betrachten. Wir können durch diese Studie sehen, dass zwar bestimmte Bereiche von Hechten bevorzugt werden, sie aber trotzdem mehr oder weniger in allen Abschnitten vorkommen.

Zusammengefasst halten im Frühjahr und Winter naturnahe Ufer mit Schilf wahrscheinlich die meisten Hechte. Wer ohne Boot unterwegs ist, kann sich im Winter kleinere Hindernisse im Wasser ohne großen Bewuchs suchen. Im Frühjahr sind vom Ufer frei zugängliche Abschnitte interessant, an denen sich ein Baum oder Strauß befindet. Zumindest ist das in der Yser so.

Schade, dass die Studie im Frühjahr endete. Interessant wäre es, wie die Ergebnisse im Sommer ausgesehen hätten. Leider war diese Zeit kein Teil dieser Studie. Aber wir finden bestimmt noch mal eine, die diese Lücke vielleicht in einem anderen Fluss schließen könnte.

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