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Echolot-Praxis · Fische finden und gezielt angeln

Fischsichel im 2D-Sonar: Wo steht der Fisch wirklich?

Fischfindertest Redaktion · Aktualisiert am 18. September 2026 · Originalbeitrag vom 30. Juni 2020

Kurzantwort: Eine Fischsichel im klassischen 2D-Sonar zeigt einen Echoverlauf, aber keine eindeutige Position links oder rechts vom Boot. Man grenzt den Bereich mit Geberwissen, aktuellen Anzeigen und kontrollierten Überfahrten ein, bevor man den Köder präsentiert.

Was zeigt der ursprüngliche Video-Beitrag?

Der ursprüngliche Beitrag von 2020 zeigt einen Ausschnitt aus dem Echolot-Profikurs. An verschiedenen Fischsicheln geht es darum, Größe und Position vorsichtig einzuordnen. Der entscheidende Zusatz für die Praxis: Eine Sichel ist keine Standortmarkierung und kein Maßband für die Fischlänge.

Originalvideo: Fischsicheln im 2D-Sonar interpretieren

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Originaler Kursausschnitt aus dem Beitrag vom 30. Juni 2020. Die Erläuterungen und Buchbilder darunter ergänzen den damaligen Videobeitrag; sie sind kein wörtliches Videotranskript.

Warum entsteht überhaupt eine Fischsichel?

Eine Sichel entsteht durch die Änderung des Abstands zwischen Geber und Fisch während mehrerer Messungen. Ein Fisch kann dabei auf gleicher Tiefe bleiben. Es reicht, dass das Boot über ihn hinwegfährt: Am Rand des erfassten Bereichs ist der Schallweg länger, näher unter dem Geber kürzer und beim Entfernen wieder länger.

Das Echolot trägt diese Abstände nacheinander in die laufende Darstellung ein. Aus dem zeitlichen Verlauf entsteht der Bogen. Die Sichel zeichnet also nicht den Körper des Fisches nach. Und sie bedeutet auch nicht, dass der Fisch genau diese Kurve nach oben und unten geschwommen ist.

Im Großen Echolot-Ratgeber wird dieser Zusammenhang in den Kapiteln zur Entstehung der Fischsichel und zur Bootsgeschwindigkeit erklärt. Eine vollständige, gleichmäßige Sichel setzt einen passenden Verlauf durch den Schallkegel voraus. Streift ein Fisch nur dessen Rand, ändert die Richtung oder bleibt länger im erfassten Bereich, entstehen andere Formen. Halbe Bögen, kurze Striche und längere Spuren sind deshalb nicht automatisch Fehlanzeigen.

2D-Sonar mit unterschiedlich ausgeprägten Fischsicheln und Originalmarkierungen A bis D
Originalaufnahme aus dem Großen Echolot-Ratgeber, Abbildung 4.11, Buchseiten 65–66. Die Markierungen gehören zum Original. Die Anzeige allein belegt weder Fischart noch eine Jagdszene. Originalbild groß öffnen.

Beim Lesen hilft es, die vorhandenen Markierungen einzeln anzusehen. Bei A sind schwächere, teilweise kurze Bögen zu erkennen, bei B eine deutlich ausgeprägte Sichel. C liegt nahe an der Bodenlinie; bei D fällt eine dichtere Ansammlung von Echos auf. Schon das Buch weist darauf hin: Selbst wenn ein Einzelecho und ein möglicher Schwarm auf derselben Bildschirmhöhe erscheinen, müssen sie räumlich nicht beieinander sein.

Die Idee „Da jagt gerade ein großer Fisch im Schwarm“ kann eine interessante Vermutung sein. Belegt ist sie durch dieses Standbild nicht. Für einen Angelversuch darf man sie nutzen – nur sollte man den Unterschied zwischen Bildbeobachtung und eigener Deutung im Kopf behalten.

Steht der Fisch links, rechts oder direkt unter dem Boot?

Das klassische 2D-Sonar mit einem nach unten gerichteten Schallkegel liefert keine eindeutige Seitenrichtung. Ein Echo kann vor, hinter, links oder rechts vom Geber entstanden sein. Die waagerechte Bildschirmrichtung steht für den zeitlichen Verlauf, nicht für die linke und rechte Bootsseite.

Das ist beim Vertikalangeln besonders wichtig. Man sieht einen schönen Bogen, lässt den Köder genau neben dem Boot herunter und wartet. Der Fisch kann aber seitlich im Schallkegel erfasst worden sein. Dann befinden sich Köder und Fisch zwar ungefähr im gleichen Tiefenbereich, müssen sich aber noch lange nicht begegnen.

Auch die senkrechte Skala braucht eine Einordnung. Das Gerät berechnet aus der Laufzeit des Echos zunächst die Entfernung zum Geber. Bei einem Ziel senkrecht darunter entspricht diese weitgehend dem vertikalen Abstand. Bei einem seitlich stehenden Ziel ist der Schallweg schräg. Eine Tiefenbeschriftung ersetzt deshalb keine räumliche Vermessung des Fisches.

Wie viel seitlicher Spielraum denkbar ist, hängt unter anderem vom Öffnungswinkel und vom Abstand ab. Als reine Geometrie für einen idealisierten Kegel gilt: Bei 20 Grad vollem Öffnungswinkel hat die Schnittfläche zehn Meter senkrecht unter dem Geber etwa 3,5 Meter Durchmesser. Das ist weder eine harte Erfassungsgrenze noch die exakte Position eines Echos. Es verdeutlicht nur, warum „unter dem Boot“ kein einzelner Punkt sein muss.

Bei mobilen Geräten bleibt das Prinzip gleich. Der Beitrag über Deeper-Sendekegel erklärt, weshalb ein weiter und ein enger Schallkegel unterschiedliche Bereiche erfassen. Der Aufdruck einer Frequenz allein reicht nicht, um jedem Geber denselben Öffnungswinkel zuzuordnen.

Ist die Fischsichel noch unter dem Boot, wenn man sie sieht?

Ein großer Teil der laufenden Sonaransicht zeigt bereits vergangene Messungen. Bei der üblichen Darstellung entstehen neue Informationen am rechten Rand und wandern nach links. Eine schöne Sichel in der Bildschirmmitte ist deshalb kein Beweis, dass der Fisch gerade noch dort steht.

Das Boot ist inzwischen weitergefahren oder abgetrieben. Der Fisch kann sich ebenfalls bewegt haben. Wie weit beides auseinanderliegt, hängt von Bewegung, Bildlauf und Darstellung ab. Die Bildschirmmitte bedeutet nicht pauschal „fünf Meter hinter dem Boot“.

Ein A-Scope, sofern vorhanden und eingeschaltet, zeigt die aktuellen Echos gesondert an. Im Buchbild liegt diese schmale Darstellung rechts neben dem Verlauf. Sie hilft beim zeitlichen Einordnen. Sie ergänzt aber keine fehlende Seitenrichtung: Aktuell erfasst ist nicht dasselbe wie direkt unter dem Köder.

Für einen interessanten Bereich lohnt ein Wegpunkt. Dabei muss man unterscheiden, ob das Gerät die aktuelle GPS-Position des Boots speichert oder eine Markierung aus einer zurückliegenden Sonaraufzeichnung ermöglicht. Auch diese Markierung macht aus einer 2D-Sichel noch keine exakt vermessene Fischposition. Sie hilft zunächst, den Bereich wiederzufinden.

Bedeutet eine lange oder kräftige Sichel einen großen Fisch?

Nicht eindeutig. Länge, Dicke und Farbe einer Sichel hängen nicht nur von der Fischgröße ab. Auch Aufenthaltsdauer im Schallkegel, Bewegung, Ausrichtung, Signalstärke und Geräteeinstellungen beeinflussen die Darstellung.

Geteilte Sonaransicht mit Graphtempo 10 und langen Echos bei 0,8 km/h
Original aus dem Bildarchiv zum Echolot-Ratgeber. Links die klassische 2D-Ansicht: lange Echos bei hohem Graphtempo und geringer angezeigter Geschwindigkeit. Kein Maßstab für Fischlänge. Originalbild groß öffnen.

Im Originalbild steht das Graphtempo auf 10, während nur 0,8 km/h angezeigt werden. Links sind längere, teilweise fast waagerechte Echos zu sehen. Das ist ein gutes Beispiel dafür, warum man aus der horizontalen Ausdehnung keine Fischlänge ablesen sollte. Ein lang dargestelltes Echo kann vor allem bedeuten, dass ein Ziel über längere Zeit erfasst wurde.

Kräftige Farben zeigen in der jeweils gewählten Palette stärkere Rückläufe. Ein günstiger Winkel zur Schwimmblase kann dabei ebenso eine Rolle spielen wie die Position im Schallkegel. Ein schwaches Echo am Rand und ein kräftigeres nahe der Mitte lassen sich deshalb nicht einfach als „kleiner Fisch“ und „großer Fisch“ sortieren.

Vergleiche werden brauchbarer, wenn Aufnahmebedingungen und Einstellungen ähnlich bleiben. Trotzdem bleibt die Größenansprache eine vorsichtige Einschätzung. Eine Fischart lässt sich aus einem einzelnen Bogen nicht zuverlässig ablesen. Ein Verdacht auf Barsch oder Zander braucht zusätzlich Gewässerwissen, Tiefe, Verhalten und gegebenenfalls tatsächliche Fänge.

Helfen Fischsymbole bei der genauen Ortung?

Fischsymbole vereinfachen die Anzeige, lösen aber das räumliche Problem nicht. Sie sind eine Interpretation des Geräts. Die Zahl neben einem Symbol ist keine Positionsangabe links oder rechts vom Boot und kein Nachweis einer bestimmten Fischart.

Farbige Sonarechos mit eingeblendeten Fischsymbolen und Tiefenbeschriftungen
Original aus dem Bildarchiv zum Echolot-Ratgeber. Fischsymbole und Tiefenbeschriftungen ergänzen die Echos, liefern aber keine Seitenrichtung oder sichere Artbestimmung. Originalbild groß öffnen.

Die Aufnahme zeigt Symbole mit Zahlen neben farbigen Echos. Das kann beim schnellen Überblick helfen. Für die genauere Einordnung sollte man jedoch auch die zugrunde liegenden Echos ansehen: Wie entwickeln sie sich? Sind sie vom Grund getrennt? Tauchen sie bei einer weiteren Überfahrt wieder in einem ähnlichen Bereich auf?

Man sollte aus den Symbolen auch nicht ungeprüft einen exakten Fischbestand berechnen. Die Darstellung hängt davon ab, was das Gerät zusammenfasst oder als Fisch einordnet. Für die Angeltaktik ist zunächst wichtiger, ob ein Bereich wiederholt interessante Echos zeigt, als ob auf einem einzelnen Bild sechs oder sieben Symbole stehen.

Wie grenzt man den Standort mit dem vorhandenen Echolot ein?

Man verbindet die Anzeige mit einer nachvollziehbaren Bewegung des Boots. Eine kontrollierte zweite Überfahrt beantwortet häufig mehr als zehn wahllose Änderungen an den Einstellungen. Voraussetzung ist, dass der Bereich gefahrlos und nach den örtlichen Regeln befahren werden kann.

  1. Bereich markieren: Tiefenbereich, Grundverlauf und Bootsposition festhalten, sobald interessante Echos auftauchen.
  2. Noch einmal anfahren: Bei möglichst vergleichbaren Einstellungen prüfen, ob die Anzeigen wiederkehren. Ausbleibende Echos können Bewegung der Fische oder einen anderen erfassten Bereich bedeuten.
  3. Fahrtrichtung verändern: Eine versetzte oder kreuzende Überfahrt hilft, einen interessanten Abschnitt einzugrenzen. Bei beweglichen Fischen entsteht daraus aber keine sichere Vermessung.
  4. Weitere Ansicht gezielt nutzen: SideScan kann die Suche zu einer Bootsseite eingrenzen; DownScan hilft beim Unterscheiden von Strukturen unter dem Boot. Erfassungsbereiche und Aufnahmezeitpunkte sind nicht automatisch identisch.
  5. Erst dann präsentieren: Boot, Drift und Wurfrichtung so wählen, dass der Köder den eingegrenzten Bereich tatsächlich erreicht.

Bei Live-Sonar kommt die Ausrichtung des Gebers hinzu. Ein fest nach vorn ausgerichteter Geber beobachtet nicht automatisch den Köder neben dem Boot. Eine passende schwenkbare Halterung kann es ermöglichen, die Bootsseite schrittweise abzusuchen. Dabei muss man wissen, in welche Richtung der Geber gerade blickt; der Bildschirm allein ersetzt diese Orientierung nicht.

Ohne Live-Sonar bleibt sinnvolles Angeln selbstverständlich möglich. Das Ziel ist nicht, jede einzelne Sichel zu verfolgen. Häufig ist es wertvoller, den Verlauf einer Kante, einen Übergang oder den Rand eines wiederholt erfassten Schwarms zu verstehen und diese Zone kontrolliert zu befischen.

Was sollte man vor dem nächsten Wurf wirklich wissen?

Eine Fischsichel liefert einen Anlass zum Prüfen, keine fertige Fangentscheidung. Man sollte wissen, wann das Echo entstand, welchen Bereich der Geber erfasst und wie der Köder diesen Bereich erreicht.

Wenn das geklärt ist und trotzdem kein Biss kommt, liegt die nächste Frage nicht mehr nur beim Gerät. Im Beitrag Fische auf dem Echolot, aber kein Biss geht es deshalb um Präsentation, mögliche Beute und den sinnvollen Zeitpunkt für einen Platzwechsel. Den größeren Zusammenhang erklärt der Grundlagenartikel Echolotbilder richtig lesen.

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