Wann du doch unterhalb der Sprungschicht angeln kannst

0
10
Wann du doch unterhalb der Sprungschicht angeln kannst
Bewerte den Artikel

Immer wieder liest man, dass die Fische wie z.B. Hechte sich entweder innerhalb oder über der Sprungschicht aufhalten. Der Grund hierfür ist einfach. Unterhalb der Sprungschicht wird es bitterkalt und der Sauerstoffgehalt sinkt dramatisch ab, so dass die Fische quasi keine Luft mehr bekommen. Aber stimmt das wirklich oder wird hier wieder irgendetwas verallgemeinert? Wer sich den Mythen über die Sprungschicht nicht einfach so hingibt und anfängt bestimmte Tipps zu hinterfragen, wird ordentliche Fänge unterhalb der Sprungschicht machen können, während alle an der Oberfläche ihre Köder baden. Damit das klappt kommt es auf diese Punkte an.

Hintergrundwissen – Wie entsteht die Sprungschicht?

So findet man die Sprungschicht in einem See
Die Sprungschicht zu finden ist wichtig, für das Angeln auf große Raubfische wie z.B. Hechte.

Eine Sprungschicht entsteht in tieferen Seen oder Talsperren, wenn sich zum Sommer hin das Oberflächenwasser erwärmt. Die Sonnenstrahlen sorgen für steigende Temperaturen und erwärmen das Wasser. Da unterschiedlich warmes Wasser eine unterschiedliche Dichte hat, schwimmt warmes Wasser immer auf kaltem.

Das Wasser schichtet sich mit steigenden Temperaturen nach und nach. Die Sonnenstrahlen dringen je nach Trübungsgrad des Wasser aber nur wenige oder ein paar mehr Meter ins Wasser ein. Das Oberflächenwasser (Epilimnion) erwärmt sich schneller als das Wasser in der Tiefe (Hypolimnion). Die Wasserschichten trennen sich und diese Trennzone, in der die Temperatur sehr stark abfällt nennt man Sprungschicht, Thermokline oder auch Metalimnion.

Warum soll der Sauerstoffgehalt unterhalb der Sprungschicht zu niedrig für Fische sein?

Sonnenstrahlen dringen in einigen Seen nicht sehr tief in das Wasser ein. Sie erreichen die Schicht unterhalb der Sprungschicht dem Epilimnion nicht. Ohne Sonne gibt es in diesen Tiefen auch keine Photosynthese. Das heißt, Pflanzen können keinen Sauerstoff bilden. Da die Sprungschicht eine Vermischung des sauerstoffreichen Oberflächenwassers mit dem Wasser in der Tiefe verhindert, vermischen sich diese beiden Schichten nicht. Der Sauerstoff der im Tiefenwasser unterhalb der Sprungschicht gebunden ist, wird im Laufe des Sommers Stück für Stück von Kleinstlebewesen und Fischen verbraucht, bis die Sauerstoffkonzentration so gering ist, dass zuerst Pflanzen sterben und Fische den Bereich verlassen müssen. Im Herbst zerfällt die Sprungschicht durch sich abkühlendes Wasser. Das komplette Wasser im See oder Stausee vermischt sich und Sauerstoff wird bis zum Grund verfügbar sein.

Und wann gibt es genug Sauerstoff unterhalb der Sprungschicht?

Hier musst du nur drei Punkte beachten. Erstens: Wenn im Frühjahr eine Sprungschicht entsteht ist der Sauerstoffgehalt unterhalb der Thermokline in allen Gewässern immer noch hoch genug, das Fische dort leben können. Sie erreichen den nahrhaften Grund und können sich an Krebsen und anderem Getier satt fressen. Gerade für das Angeln im Frühjahr, wenn die einzelnen Schonzeiten zu Ende sind, entscheidet dieses Wissen über einen tollen oder nur einen schönem Angeltag auf dem Wasser. Zweitens: Ist das Wasser im See oder Stausee mit Sichtweiten von mehreren Metern klar bis sehr klar, dringt das Sonnenlicht sehr tief in das Wasser ein. Es reicht sogar bis unterhalb der Sprungschicht. Gerade in oligotrophen oder einigen mesotrophen Gewässern ist das regelmäßig der Fall. Diese meist klaren und tiefen Seen sind entgegen vieler laienhaften Aussagen nicht immer nur Alpenseen. Im Gegenteil – reichen die Sonnenstrahlen bis unter die Sprungschicht, kann der Sauerstoffgehalt in der Sprungschicht sogar höher sein als im Epilimnion!!!

Kaltes Wasser kann Sauerstoff besser lösen als warmes Wasser. Je wärmer das Wasser wird, desto geringer ist der maximal erreichbare Sauerstoffgehalt. Forellen brauchen bei einer Wassertemperatur von 24°C einen um sechs bis sieben mal höheren Sauerstoffgehalt!!! Jetzt wird klar, warum es Forellen eher in Gebirgsflüssen oder tiefen kalten klaren Seen gibt.

Seen werden nach ihrem Nährstoffgehalt in verschiedene Trophiestufen unterteilt. Die wichtigsten Stufen für Fische sind oligotroph (klar, kalt, wenig Nährstoffe), mesotroph (leicht trüb durch erhöhte Nährstoffkonzentration) und eutroph (trüb durch einen hohe Nährstoffgehalt). In der heutigen Zeit ist die Landwirtschaft hauptverantwortlich dafür, wie hoch der Nährstoffgehalt in einem Gewässer ist. Je höher dieser ist, desto mehr Algen und Plankton ist im See verfügbar. Auch die Fischarten unterscheiden sich in den drei verschiedenen Gewässertypen.

Um die Einstufung seines Sees herauszubekommen, kann man wie folgt googeln: Seename plus trophiestatus oder mesotroph oder oligotroph

Hier sind einige Ergebnisse unserer Suche 

  • Großer Stechlinsee (oligotroph – Brandenburg)
  • Großer Mila See (oligotroph – Brandenburg)
  • Schluensee (mesotroph – Schleswig Holstein)
  • Müritz (mesotroph bis eutroph – Mecklenburg)

Fische gibt es auch unterhalb der Sprungschicht!

Die folgende Grafik haben wir mithilfe einer Studie erstellt. Sie stellt die Tiefe kleiner unterjähriger Beutefische im Werbellinsee dar. Die Fische wurden in den einzelnen Wasserschichten nachts im September 2009 mit Netzen gefangen.

Die Sprungschicht - In welcher Tiefe stehen die Fische

Hier sind wir nun bei drittens. Auf den ersten Blick ist die Grafik nicht besonderes aber wenn man bedenkt, dass die Sprungschicht sich zu diesem Zeitpunkt zwischen 9 bis 13 m befand, bekommt diese Grafik einen ganz neuen Stellenwert. Einige Fischarten scheint eine Sprungschicht nichts auszumachen. Entweder brauchen sie weniger Sauerstoff als andere Fische oder es ist einfach genug Sauerstoff unterhalb der Sprungschicht vorhanden. Beides ist in diesem Beispiel richtig. Fische wie der Stint, die kleine Maräne oder der Stichling kommen prima mit einem geringen Sauerstoffgehalt klar. Aber auch einige Rotaugen oder Barsche treibt es unter die Sprungschicht. Interessant ist und das wissen nur die wenigsten, dass der Sauerstoffgehalt unterhalb der Sprungschicht meistens wieder auf ein einigermaßen lebensfreundliches Niveau ansteigt.

Sauerstoffgehalt_und_Temperatur_in_einem _See

In der Grafik sehen wir, wie der Sauerstoffgehalt ab einer Tiefe von 10 m von ca. 8 mg/l auf unter 5 mg/l fällt und dann ab ca. 15 m Tiefe wieder ansteigt. Ein steigender Wasserdruck hält den Sauerstoff fest, so dass er in der Tiede nicht mehr so schnell und so stark sinkt. Den Fischen geht es unterhalb der Sprungschicht besser, als innerhalb dieser. Auch die Temperatur ist ab dieser Tiefe konstant bei ca. 10 °C. Fische haben generell einen unterschiedlichen Sauerstoffbedarf. Dieser liegt zwischen 5 mg/l und 15 mg/l und variiert von Fischart zu Fischart. Je nachdem wie die Verhältnisse unter Wasser sind, suchen sich die Fische die möglichst optimalen Wasserschichten aus. Die Räuber folgen in der Regel den Beutefischen, wenn sie wollen und können.

Der Hecht ist ein absoluter Liebhaber von kaltem Wasser und für eine reichhaltige Beute kommt er auch zeitweise mit einer geringen Sauerstoffkonzentration aus. Der Zander hingegen liebt warmes Wasser und wird eher im oberen Bereich des Sees aufhalten. Aber auch hier spielt die Beute wieder eine große Rolle. Wäre der Stint in diesem Beispiel die Lieblingsbeute des Zanders, wird er ihr zumindest zum Fressen in die Tiefe folgen.

Minimum Sauerstoffgehalt einzelner Fische für 24 Stunden im Sommer

Zahlen hierzu findet man in vielen Quellen, die teils unterschiedliche Angaben zum Mindest-Sauerstoffgehalt machen. Wenn man sich die Zahlen anschaut erkennt man aber sofort, dass Fische robuster sind, als viele Artikel über die Sprungschicht vermuten lassen. Allein das der Hecht mehrere Tage bei einer Sauerstoffkonzentration von – Achtung – 0,1 mg/l überleben kann ist für uns beeindruckend. Wenn diese Wert auch nur annähernd für einige Hechte gelten, dann stellt die Sprungschicht keine Grenze für viele Fische in vielen Angelsituationen dar.

Merke

Viele Fische können mit einem Sauerstoffgehalt von 3-5 mg/l ca. 12- 24 Stunden auskommen, während ein Sauerstoffgehalt oberhalb von 5 mg/l bereits eine Art optimalen Lebensraum darstellt.

  • Hecht –      ca. 0,1-2 mg/l
  • Barsch –    ca. 4,0-5 mg/l
  • Zander –    ca. 2-5 mg/l
  • Forelle –     ca. 3,5 mg/l
  • Karpfen –   ca. 1 – 2 mg/l

Welchen Einfluss hat die Tageszeit auf den Sauerstoffgehalt?

Der Sauerstoffgehalt verändert sich im Laufe eines Tages und einer Nacht. Sauerstoff entsteht durch Photosynthese – Pflanzen produzieren ihn durch die Sonnenstrahlen. Das hat zur Folge, dass nachts kein Sauerstoff gebildet, sondern nur verbraucht wird. Deshalb ist der Sauerstoffgehalt früh am Morgen sehr niedrig und am Nachmittag am höchsten. Für uns Angler bedeutet das im Hochsommer Folgendes:

Die Fische stehen früh am Morgen meistens flacher als am Nachmittag. Der Fisch steht viel konzentrierter und unsere Wahrscheinlichkeit, dass sich an einem Hotspot viele weitere Fische aufhalten ist groß.

Am Nachmittag erreichen die Fische mehr Bereiche in größerer Tiefe. Die Fische verteilen sich. Sie nutzen diese Zeit, um sich den Bauch vollzuschlagen, bevor der Sauerstoffgehalt wieder sinkt. Ein Angeln in Bodennähe ist jetzt sehr effektiv. Beute und Räuber stehen dichter am Grund.

Wie der Sauerstoffgehalt in einem Gewässer sinkt oder steigt, hängt vom Gewässer selbst ab. In trüben flachen Seen kann am Morgen schon kurz unterhalb der Wasseroberfläche Schluss mit lustig für die Fische sein, während in klareren tieferen Seen sich alles viele Meter in der Tiefe abspielt.

Was tun Fische bei niedrigem Sauerstoffgehalt?

Ist der Sauerstoffgehalt für die einzelne Fischart zu niedrig, suchen die Fische andere Lebensräume auf. Fische im Freiwasser steigen einfach Richtung Oberfläche auf. Fische am Ufer sammeln sich zwischen den Pflanzen. Hier ist die Sauerstoffkonzentration am höchsten. Wird es richtig eng, schnappen die Fische nach Luft, indem sie direkt an der Oberfläche Luft und Wasser gleichzeitig einsaugen. Wenn wir dieses Verhalten beobachten, können wir das Angeln übrigens einstellen. Den Fischen ist jetzt nicht nach Fressen zumute. Es geht nur noch um das nackte Überleben, denn Fressen bedeutet immer einen hohen Sauerstoffbedarf des Fisches. Ist die Luft raus, leg dich an den Strand, genieße den Sommer und mach was anderes als angeln.

Hotspots im Sommer

Ist es heiß im Sommer und die Wassertemperatur in einem See steigt auf eine angenehme Badetemperatur an, können wir einige Hotspots, die viel Fisch produzieren benennen. Zum einen sind es Einmündungen von Flüssen oder Einlässen von Wasser. hier sprudelt das Wasser und vermischt sich mit der Luft. 1 – 2 Meter unterhalb der Oberfläche ist der Sauerstoffgehalt schön hoch und die Fische stapeln sich.

Auch Wellen sorgen für viel Sauerstoff im Wasser. Meistens ist es windig, so dass die Sonnenstrahlen nicht sehr tief in das Wasser reichen (Quelle: „Modernes Fische finden – Der Zander“ Seite 75 ff). So wird nur in den oberen Wasserschichten von den Pflanzen Sauerstoff gebildet. Die Fische stehen an windigen und dunklen Tagen viel höher als sonst.

Merke

Auch unterhalb der Sprungschicht findet man Fische und kann man angeln. Vom Frühjahr zum Sommer hin ist das kein Problem. Gerade am Nachmittag ist die Sauerstoffkonzentration im See generell am höchsten und die Fische sind aktiv auf Nahrungssuche. Ist es richtig warm, reduziert sich die Aktivität der Fische in den Morgenstunden und steigt im Laufe des Tages an. Die Fische stehen am Morgen allerdings viel konzentrierter und Hotspots sind leichter zu finden. Köder sollten am Morgen und bei heißen Temperaturen übrigens langsam geführt werden, da Fische sich ihre Kräfte sparen wollen. Unterwasserberge bieten in diesem Fall reichlich Futter und produzieren durch den Pflanzenbewuchs ständig neuen Sauerstoff. Sie ziehen Beute und Räuber magisch an. Deshalb sind Unterwasserberge im Sommer die absoluten Hotspots.

Auch lesenswert

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Bitte trage deinen Namen hier ein