Lowrance · HD-Sonar und der vollständige Bootsaufbau
Lowrance HDS PRO 9: Wann lohnt der Ausbau gegenüber Elite FS?
Kurzantwort: Das HDS PRO 9 bietet im Active-Imaging-HD-Paket einen direkten Einstieg in CHIRP, SideScan und DownScan mit passendem HD-Geber sowie ein höher auflösendes Display als das Elite FS 9. ActiveTarget 2 und FishReveal im SideScan benötigen weitere Komponenten. Der Aufpreis sollte deshalb an einem konkreten Bootsaufbau gemessen werden, nicht an einer möglichst langen Funktionsliste.
Welche Ausstattung wird hier betrachtet?
Dieser Beitrag behandelt das HDS PRO 9 mit Active Imaging HD 3-in-1, ROW-Artikelnummer 000-15982-001. Die Angaben gelten nicht pauschal für HDS LIVE, HDS Carbon oder die größeren HDS-PRO-Displays. Auch ein Angebot ohne Geber ist kein gleichwertiges Paket.
| Display | 9 Zoll SolarMAX HD; 1.280 × 720 Pixel; Touchscreen und Tasten |
|---|---|
| Geber im Beispielpaket | Active Imaging HD 3-in-1 |
| Anschlüsse des 9-Zoll-Modells | Ein Ethernet-Port; NMEA 2000 |
| Speicher | Zwei microSD-Steckplätze, bis 32 GB |
| Stromversorgung | 10,8–17 V; typisch 2,0 A bei 13 V; maximal 2,9 A bei 13,8 V |
| Abmessungen / Gewicht | 280 × 166,7 × 77,7 mm; etwa 1,39 kg |
| Karten | Weltweite Basiskarte; passende Detailkarten gesondert prüfen |
Abgleich mit der Lowrance-Produktseite zum genauen ROW-Paket und den HDS-PRO-Modellspezifikationen. Familienfunktionen werden nicht ungeprüft auf die 9-Zoll-Ausführung übertragen.

Ein vollständiger Vergleich beginnt mit derselben Aufgabe: ein Bildschirm für die Suchfahrt, ein zusätzlicher Arbeitsplatz am Bug oder eine Live-Sonar-Erweiterung? Ohne diese Festlegung lässt sich jeder Aufbau immer weiter vergrößern, ohne dass klar wird, welchen zusätzlichen Nutzen er am Wasser bringt.
Was bringt Active Imaging HD bei der Struktursuche?
Active Imaging HD verbindet CHIRP mit den bildgebenden Ansichten SideScan und DownScan. Der passende Geber kann am HDS PRO direkt genutzt werden. Das unterscheidet den Aufbau vom Elite FS, bei dem die entsprechende HD-Erweiterung über ein zusätzliches S3100-Modul führt.
Die hohe bildgebende Frequenz ist vor allem eine Möglichkeit für eine detaillierte Darstellung unter passenden Bedingungen, kein allgemeiner Reichweiten- oder Fangvorteil. Wenn die seitliche Reichweite zu groß gewählt wird, verteilt sich viel Gewässer auf wenig Bildschirmfläche. Selbst eine detailreiche Messung kann dann schwer lesbar sein.
Bei einer Suchfahrt entlang einer Kante könnte man zunächst einen überschaubaren Bereich zu beiden Seiten betrachten. Kleine Erhebungen und Schatten werden markiert und anschließend erneut angefahren. Ein Vergleich aus anderer Richtung kann zeigen, ob eine auffällige Form tatsächlich zur Struktur gehört oder durch den Blickwinkel entstanden ist.
DownScan betrachtet den Bereich unter dem Boot anders als SideScan die Umgebung neben der Fahrspur. CHIRP ergänzt eine weitere Echodarstellung. Diese Ansichten liefern zusammen mehr Zusammenhang, sie bestätigen aber nicht automatisch dieselbe Beobachtung. Der Geber erfasst jeweils unterschiedliche Bereiche und Bewegungen.

Für die Montage bedeutet das: Der seitliche Schallbereich muss frei bleiben. Ein Motor oder ein ungünstiger Rumpfbereich kann die gewünschte Ansicht beeinträchtigen. Das sollte man vor dem Kauf prüfen, nicht erst nach dem Bohren der Halterung.
Ist FishReveal im SideScan bereits enthalten?
Nein: Lowrance nennt dafür ein S3100-Sonarmodul und den entsprechenden FishReveal-SideScan-Geber als zusätzliche Voraussetzungen. Die DownScan-Funktion und das normale Active-Imaging-HD-Paket dürfen nicht damit gleichgesetzt werden.
FishReveal dient dazu, Fischsignale mit einer strukturbetonten Darstellung zusammenzuführen. Die Hilfe liegt in der Einordnung auffälliger Echos, nicht in der Bestimmung von Fischarten. Eine farbige Hervorhebung liefert auch keine Aussage darüber, ob der Fisch den angebotenen Köder nehmen wird.
Beim S3100-System sollte das Angebot deshalb genau aufführen, welche Gebervariante und welche gewünschte Ansicht zusammengehören. „Mit Active Imaging HD“ ist als Antwort auf die Frage nach FishReveal im SideScan nicht ausreichend.
Vor dieser Erweiterung lohnt eine praktische Gegenfrage: Werden seitlich liegende Strukturen bereits zuverlässig gefunden und verstanden? Wenn noch die Orientierung im SideScan-Bild Schwierigkeiten macht, wäre zunächst Übung an bekannten Strukturen sinnvoll. Die Grundlagen im Artikel Echolotbilder richtig lesen helfen, den tatsächlichen Bedarf besser einzuschätzen.
Wann hilft ActiveTarget 2 – und wie sollte der Geber montiert werden?
ActiveTarget 2 ergänzt die laufende Beobachtung im erfassten Sektor und benötigt ein eigenes System. Der HD-Heckgeber wird dadurch nicht zum Live-Geber. Module, Verkabelung, Halterung und Stromversorgung kommen zur Grundausstattung hinzu.
Nach einer Suchfahrt könnte man einen interessanten Bereich genauer ansehen: Bewegen sich Echos vor einer Struktur, bleibt ein auffälliges Signal in einer bestimmten Tiefe oder verändert sich seine Position? Solche Beobachtungen können einen Angelversuch unterstützen. Eine sichere Artbestimmung ergibt sich daraus trotzdem nicht.
Die Richtung des Gebers muss jederzeit nachvollziehbar sein. Ist er fest nach vorn montiert, wird ein seitlicher Wurf möglicherweise gar nicht erfasst. Eine drehbare Geberstange an der Bootsseite kann erlauben, den Bereich nacheinander abzusuchen und die Blickrichtung unabhängig vom Boot zu verändern. Das ist keine gleichzeitige 360-Grad-Erfassung.
Lowrance beschreibt am HDS PRO auch Aufbauten mit zwei ActiveTarget-Systemen für zusätzliche Ansichten. Das ist eine eigene Ausbaustufe mit weiterem Material und Planungsaufwand. Für einen einzelnen Arbeitsplatz sollte zuerst geklärt sein, welche konkrete Beobachtung mit einem System nicht gelingt. Zwei Geber machen einen unklaren Suchplan nicht automatisch sinnvoller.
Bei Welle und Drift bleibt außerdem die Bootsführung wichtig. Wer nur noch auf die Anzeige schaut, kann Hindernisse, andere Boote oder die Schnurführung übersehen. Bedienbarkeit und sichere Bewegung im Boot gehören deshalb zur Geräteentscheidung.
Wie könnte ein HDS-Aufbau beim Zanderangeln genutzt werden?
Ein sinnvoller Ablauf trennt Gebietsfindung, Strukturkontrolle und gezielten Angelversuch. Das verhindert, dass die teuerste Ansicht permanent geöffnet bleibt, obwohl gerade eine andere Information gebraucht wird.
- Gebiet wählen: Karte und Gewässerwissen nutzen, um beispielsweise den Übergang eines Plateaus zum tieferen Wasser einzugrenzen.
- Struktur suchen: In einer ruhigen Suchfahrt Verlauf, kleine Vorsprünge und mögliche Beutehinweise beobachten.
- Auffälligkeit prüfen: Einen markierten Bereich aus anderer Richtung erneut ansehen. Erst wiederholte Beobachtungen machen die Einordnung belastbarer.
- Angeln vorbereiten: Bootsposition, Drift, Wurfrichtung und Lauftiefe des Köders festlegen. Optionales Live-Sonar beantwortet anschließend eine begrenzte Zusatzfrage.
Für Zander könnte eine Kante mit angrenzender flacherer Zone interessant sein. Entscheidend ist jedoch nicht, ob die Karte eine schöne Linie zeichnet. Es geht darum, ob die Bedingungen, Beute und tatsächlichen Beobachtungen zu der Vermutung passen. Die gleiche Struktur kann zu einer anderen Zeit unauffällig bleiben.
Bleiben Kontakte aus, sollte man die Annahme verändern können. Vielleicht wurden Echos falsch eingeordnet, vielleicht liegt der Köder außerhalb der interessanten Tiefe. Das nächste sinnvolle Experiment kann eine andere Wurfrichtung oder ein anderer Abschnitt sein, nicht zwangsläufig ein neues Ködermodell.
Eine kurze Dokumentation mit Datum, Tiefe, Fahrtrichtung und Ergebnis hilft bei der nächsten Ausfahrt. Sie macht aus einzelnen Bildschirmbildern eine vergleichbare Erfahrung. Gerade ein umfangreiches System sollte diese Arbeit erleichtern und nicht durch ständig neue Fenster davon ablenken.
Wie viel Vernetzung ist für das eigene Boot sinnvoll?
Man sollte den Aufbau vom gewünschten Arbeitsplatz aus planen. Welche Informationen werden am Steuerstand benötigt, welche am Bug und welche tatsächlich gleichzeitig? Erst danach werden Display, Module und Netzwerkhardware ausgewählt.
Das HDS PRO 9 hat einen Ethernet-Port. Angaben zu größeren Familienmitgliedern dürfen nicht als zusätzliche Anschlüsse dieses Modells gelesen werden. Werden mehrere Teilnehmer verbunden, kann weitere Netzwerkhardware nötig sein. NMEA 2000 ersetzt dabei nicht automatisch die Sonardatenverbindung über Ethernet.
Auch Motorsteuerung, Radar oder andere Bootsgeräte brauchen jeweils bestätigte Kompatibilität und passende Komponenten. Eine Herstellerfamilie auf dem Boot ist noch kein Beleg dafür, dass jedes vorhandene Gerät alle Daten austauschen kann. Für Umbauten sollte deshalb eine Liste aus Modell, Softwarestand, Anschluss und gewünschter Funktion erstellt werden.
Bei Karten gilt dieselbe Genauigkeit. Die ROW-Basiskarte ist keine vollständige Tiefenkarte jedes Angelgewässers. C-MAP- und andere kompatible Angebote müssen zur Region und zum Gerät passen. Der Karten-Ratgeber hilft, Abdeckung und Lizenzfragen vor der Anschaffung einzuordnen.
Eine vorhandene Karte bleibt ein Planungswerkzeug. Eigene Beobachtungen zu Pegel, Bewuchs oder neuen Hindernissen dürfen nicht deshalb ignoriert werden, weil die Darstellung am Bildschirm genauer aussieht als die Wirklichkeit.
Reicht die bisherige Stromversorgung für einen HDS-Ausbau?
Das hängt vom gesamten System ab, nicht allein vom Display. Für das HDS PRO 9 nennt Lowrance typisch 2,0 A bei 13 V. Acht Stunden ergeben unter dieser Annahme 16 Ah; zusätzliche Module, weitere Anzeigen und Reserve sind darin nicht enthalten.
Für die Installation zählt außerdem die maximale Aufnahme. Typischer Verbrauch und elektrische Auslegung sind nicht dieselbe Frage. Absicherung, Kabelquerschnitt und zulässige Leitungslängen richten sich nach den jeweiligen Anleitungen. Ein Sonarmodul benötigt seine eigene Berücksichtigung in der Energiebilanz.
Die Praxisprüfung sollte unter Last stattfinden: Bleibt die Versorgung stabil, wenn mehrere Verbraucher laufen? Sind Steckverbindungen trocken und zugentlastet? Gibt es Störungen, wenn der Motor arbeitet? Diese Fragen lassen sich nicht durch die Auswahl einer größeren nominellen Akkukapazität beantworten.
Beim Einbau des Displays werden neben der Sicht auch Kabelbögen, Wartungszugang und die Bewegung im Boot berücksichtigt. Der Akku-Ratgeber liefert Grundlagen zur Versorgung. Die konkrete elektrische Installation gehört anhand der Herstellerunterlagen fachgerecht ausgeführt.
Für wen ist das HDS PRO 9 die passende Wahl?
Es ist ein sinnvoller Vergleichskandidat, wenn die höhere Auflösung, der direkte HD-Geberaufbau oder ein konkret geplanter Ausbau gebraucht werden. Wer hauptsächlich Tiefe, Karte und eine Seitenansicht benötigt, sollte den vollständigen Preisvergleich mit dem Elite FS 9 nicht überspringen.
Dabei werden gleichwertige Aufbauten verglichen. Ein FS ohne HD-Modul und ein HDS mit HD-Geber beantworten sonst unterschiedliche Fragen. Gleichzeitig sind Funktionen wie Live-Sonar-Kompatibilität oder Vernetzung nicht pauschal dem HDS allein vorbehalten. Entscheidend bleibt die benötigte Kombination.
Wird durch HDS PRO aus jedem Signal ein erkennbarer Fisch?
Nein. Geberlage, Einstellungen, Struktur und Bedingungen beeinflussen die Darstellung. Auch ein hochwertiges Display kann nicht außerhalb des erfassten Bereichs sehen und keine Fangbereitschaft garantieren.
Ist das ein eigener HDS-PRO-Test?
Nein. Eigene Messungen und vergleichbare Aufnahmen fehlen. Historische Tests bleiben in der Lowrance-Übersicht ihrer Generation zugeordnet. Dieser Beitrag erklärt Ausstattung und Anwendung; der Echolot-Vergleich ergänzt die Einordnung anderer Systeme.
