Monsterhechte oder wo gibt es die größten Hechte?

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Modernen Fische finden - Der Hecht exklusiv
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Ja, das wird jetzt ein interessantes Kapitel. Vor unserer Recherche zum Buch “Modernes Fische Finden – Der Hecht” waren wir sehr gespannt, ob unser Material etwas dazu hergibt. Wir können die Frage schon mal mit “Ja” beantworten. Bestimmte Merkmale von Gewässern, Umwelteinflüssen etc. müssen erfüllt sein, damit sich die richtig großen Hechte entwickeln. Wir haben verschiedene Studien gefunden, die in über 400 Seen durchgeführt wurden. Große Hechte kategorisieren wir hier in diesem Abschnitt mit einer Länge von über 1 m.

Ausgangsfrage: Gibt es Anhaltspunkte, um die Größten der größten Hechte zu finden? 

Diese stolze Länge erreichen nur wenige Hechte. Die Sterblichkeit erwachsener Hechte ist sehr hoch, so dass nur wenige Hechte diese Länge erreichen können. Sie liegt in Flüssen bei ca. 49% pro Jahr und in Seen zwischen 37% bis 57%. Das bedeutet das ca. die Hälfte der erwachsenen Hechte jeder Altersklasse ein Jahr nicht überlebt. Daraus resultiert, dass nur ca. 1% aller einjährigen Hechte ein Alter von über 8 Jahren erreichen werden. Diese Zahl nimmt mit jedem zusätzlich Lebensjahr weiter stark ab. 

Nun haben wir ja schon erfahren, dass Hechte in unterschiedlichen Breitengraden unterschiedlich schnell wachsen. Hechte zwischen dem 40° bis 44° Breitengrad brauchen ca. 8-10 Jahre um eine Länge von 80 cm zu erreichen, während Hechte vom 50° bis 52° eher 15-20 Jahre dafür brauchen. Natürlich in Abhängigkeit vom jeweiligen Gewässer. Die Sterblichkeitsrate ist übrigens überall nahezu gleich. Nur ca. 1% der einjährigen Hechte werden 8 Jahre als oder älter. Wenn Hechte unterschiedlich schnell wachsen aber gleich oft sterben, wird es in Mitteleuropa mehr Hechte mit einer Körperlänge von 1 m geben als in Nordeuropa. Wer hier auf Hechtjagd geht, hat schon mal den ersten Punkt für einen großen Hecht erfüllt.  

Das Gewässer 

Das Gewässer in dem sie leben muss ein scheinbar unbegrenztes Wachstum zulassen. Die Bedingungen sollten in ihrer Konstellation möglichst optimal erscheinen. So müssen Hechte alt werden können und es muss genug Beute für die großen Hechte geben. In keinem der ersten Lebensjahre eines Hechtes darf es zu einem Beutemangel kommen.

Wahrscheinlich wird der Trophäenhecht ein Weibchen sein. Sie werden am größten und auch am ältesten. Ja, auch das ist allseits bekannt. Also noch keine neue Information an dieser Stelle. 

Dann schauen wir doch mal ein paar weitere Studien an. Interessant ist, dass verschiedene Gewässer unterschiedlich große Hechte hervorbrachten. Die Wahrscheinlichkeit auf einen wirklich großen Hecht zu stoßen, ist anscheinend von der Wasserfläche, der Tiefe und der Größe der Uferzone abhängig. Das Gewässer muss über tiefe Stellen im Wasser verfügen. Zusätzlich müssen das ganze Jahr über kühle Wasserzonen für den Hecht auffindbar sein. 

Die kühlen Rückzugspunkte können z.B. Einläufe von Grundwasser in das Gewässer sein. Wir verweisen noch mal auf das Kapitel 6.8.2 „Die Temperatur und der Sauerstoff“. Das kühle Grundwasser bietet den größten Räubern die notwendige Kühlung bei noch so hohen Wassertemperaturen.

Eine zweite Möglichkeit um sich abzukühlen, finden große Hechte im tiefen Freiwasser. Siehe Kapitel 6.7.14.

Auch fließendes Wasser ist meistens kühler als Stehendes. In stehenden Gewässern die durch Wasserzuläufe wie z.B. Flüsse gespeist werden, sind genau dort in der Nähe der Zuläufe sehr gute Hotspots für große Hechte. Gerade wenn das Wasser im Sommer und Hochsommer stark aufgewärmt ist. An den Kanten dort wo das Ufer zum Freiwasser abfällt, sind sie immer mal wieder im Laufe des Jahres zu finden.

Einige Flüsse bieten Hechten ebenfalls sehr gute Lebensräume. Da regulierte Flüsse kommerziell genutzt werden, verfügen sie über weite Strecken das ganze Jahr über Wasser. Ebenfalls sind sie ausreichend tief, um größeren Hechten und ihren Beutefischen Platz und Deckung zu bieten. 

Aber: Generell sind die größten Flusshechte im Durchschnitt ein wenig kürzer als die gleichaltrigen Artgenossen in den meisten stehenden Gewässern. 

Äußere Faktoren und Umwelteinflüsse

Der Sauerstoffgehalt sollte zusätzlich nie unter 3 mg/l sinken. Diese Punkte schließen flache trübe Gewässer von 3 bis 5 Metern Tiefe für Trophäenhechte in mittleren und südlichen Breitengraden größtenteils aus. In den wärmsten Monaten sinkt der Sauerstoffgehalt gerne mal in den unteren Wasserschichten über einen längeren Zeitraum unter diese Werte. Das heißt zwar nicht, dass es keine großen Hechte in flachen trüben Gewässern gibt. Aber sie werden wahrscheinlich nicht so zahlreich sein, wie in tieferen Seen.

Des Weiteren müssen die größten Räuber immer genügend aber nicht unbedingt große Beutefische vorfinden. Ihren Appetit müssen sie ungehindert stillen können. Nährstoffreiche Gewässer haben oft einen guten Weißfischbestand.

In den Uferbereichen stehen die großen Hechte immer sehr nah an den Standorten mit der größten Beutedichte. Untersuchungen haben ergeben, dass Hechte deren Hauptmahlzeit Barsche sind, aktiv die Standorte ansteuern, an denen die meisten 8-10 cm langen Barsche vorkamen. Haben Barsche diese Größe erreicht, werden einige von ihnen in Richtung Freiwasser ziehen, während andere um so dichter bewachsene Uferbereiche aufsuchen. Die Barsche ahnen wohl, dass sie in dieser Größe zu den beliebtesten Beutefischen des Hechtes gehören.

Große Hechte sind oft mobiler und verbringen natürlich nicht die gesamte Zeit in einem Revier. Einige der größeren Räuber legen ihr Revier weiter aus und haben oft zwei bis vier bevorzugte Futterstandorte. Größere Hechte stehen oft weiter vom Ufer entfernt als die kleineren Artgenossen. Die Kanten zum Freiwasser sind gute Anlaufpunkte, damit unsere Köder auf die größten Hechte treffen können.

Die größeren Weißfische im Freiwasser bieten die beste Nahrungsgrundlage für die riesigen Räuber. Große Brassenschwärme ziehen große Räuber an.

Spannend ist, dass in Seen mit wenig Beute die meisten Hechte sehr langsam wachsen und meist klein sind. Einige Wenige schaffen es aber diesen Kreis zu durchbrechen und spezialisieren sich auf ihre eigenen Art. Sie erreichen mitunter gigantische Ausmaße, da kleine und mittlere Hechte häufig vorkommen und ihn Scharen von den paar Großen gefressen werden. Wir können also auch riesige Hechte in Gewässern fangen, die eher als mittelmäßig gelten. Allerdings nicht viele von den großen Räubern. Hm … interessant!

Die Sichttiefe eines Gewässers hat auch einen Einfluss auf das Wachstum der Hechte. So konnte das unterschiedlich oft nachgewiesen werden. Generell gilt, dass je Meter mehr Sichttiefe das Gewicht der Hechte um 6% höher als der Durchschnitt ausfällt. In klareren Gewässern gibt anscheinend dickere Hechte.

Ein heftiger kalter und vor allem langer Winter bringt den wahrscheinlichen Tod der großen Hechte in nährstoffreichen flachen Gewässern. Eine Eisschicht stoppt die Sauerstoffzufuhr. Pflanzen und Fische verbrauchen nun den Sauerstoff, ohne dass neuer Sauerstoff gebildet werden kann. Das Sonnenlicht kann die Eisschicht nicht durchbrechen, so dass die wenigen Winterpflanzen kaum Sauerstoff produzieren können. Große Hechte und vor allem die Damen werden darunter extremst leiden. Kleinere und langsam wachsende Hechte haben eine wesentlich bessere Überlebenschance. Ein sehr langer und kalter Winter kann für Jahre Schluss machen mit großen Hechten in einem flachen trüben Gewässer. 

Fischerei, Angeldruck und Stress

Ja, eine intensive Jagd auf Hechte stresst sie zusätzlich und verhindert das Vorhandensein von großen Hechten. Wissenschafter der University Guelth (Kanada) drücken das so aus: „Characteristics of stressed fish population include: small size and weight, short life span, rapid growth and high total adult mortadility.“ 

(deutsch: Merkmale einer gestressten Fischpopulation sind: kleine Größe und geringes Gewicht, kurze Lebenserwartung, schnelles Wachstum und eine hohe Sterblichkeitsrate unter den Erwachsenen)

Zu guter Letzt ist der Kontinent entscheidend, auf dem wir angeln. In Europa und Asien leben die wirklichen Riesen unter den Hechten. Amerikanische Angler müssen sich mit ein paar kg weniger zufrieden geben, auch wenn sich die Hechte genetisch nicht unterscheiden. 

Angelst du auf dem richtigen Kontinent?

Europa führt knapp vor den USA. Alle Aufzeichnungen beziehen sich auf ein Alter von 10 Jahren.

Europa – 70 -110 cm

USA – 70-105 cm

Canada – 55 – 90 cm

Wie bekomme ich die größten Hechte an den Haken?

Bei der Frage, welcher Köder der beste für große Hechte ist, scheiden sich die Geister. Es gibt viele Fotos mit gefangenen Monsterhechten und künstlichen Ködern. Wir können aber davon ausgehen, dass die größten Hechte nicht umsonst diese Größe erreicht haben. Sie haben viel erlebt und sind vorsichtig. Natürliche Beute wie der tote Köderfisch wird mehr große Hechte produzieren, als künstliche Köder. Aber auch hier gibt es nur wenige wissenschaftliche Aufzeichnungen, die dieses Phänomen untersuchen.

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