Einleitung: Was passiert wirklich, wenn ein Fisch tief gehakt wird?
Viele Angler stehen vor derselben Frage: Was passiert mit einem Fisch, wenn er den Haken tief geschluckt hat? Ist Zurücksetzen noch sinnvoll oder führt das zwangsläufig zum Tod?
Dieser Artikel zeigt auf Basis konkreter Studien, wie hoch die tatsächlichen Sterblichkeitsraten sind, welche Faktoren entscheidend sind und welche Maßnahmen die Überlebenschancen nachweislich verbessern.
Gib hier deine Überschrift einWie hoch ist die Sterblichkeit bei tief gehakten Fischen?
Eine der am häufigsten zitierten Arbeiten stammt von Muoneke & Childress (1994), die über 100 Studien zum Catch-and-Release-Verhalten ausgewertet haben.
Dabei zeigt sich ein klares Muster:
Fische, die im vorderen Maulbereich gehakt werden, weisen meist sehr geringe Sterblichkeitsraten von unter 5 % auf. Sobald der Haken jedoch tiefer sitzt, insbesondere im Schlund oder Magen, steigt die Sterblichkeit signifikant an.
In mehreren Studien lag sie:
bei Forellen zwischen etwa 20 % und 50 %
bei Barschartigen häufig zwischen 30 % und über 60 %
bei stark verletzten Fischen teils über 70 %
Eine konkrete Untersuchung von Schill (1996) an Bachforellen zeigte beispielsweise, dass tief gehakte Fische eine Sterblichkeit von rund 52 % hatten, während oberflächlich gehakte Fische unter 5 % lagen.
Der Unterschied ist also nicht marginal, sondern massiv.
Warum steigt die Sterblichkeit so stark an?
Die Ursache liegt nicht nur in der mechanischen Verletzung, sondern in mehreren gleichzeitig wirkenden Faktoren.
Wenn ein Fisch tief gehakt wird, werden häufig lebenswichtige Bereiche verletzt. Dazu gehören Kiemenbögen, Blutgefäße im Schlund oder sogar innere Organe. Bereits kleine Verletzungen können starke Blutungen auslösen, die für den Fisch tödlich enden.
Hinzu kommt die Stressreaktion während des Drills. Studien wie Cooke & Suski (2005) zeigen, dass Fische unter extremen physiologischen Stress geraten. Dabei steigt der Cortisolspiegel stark an, der Stoffwechsel läuft auf Hochtouren und es kommt zu einem Sauerstoffdefizit im Gewebe.
Die Konsequenzen sind vielfältig. Der Fisch verliert Energie, das Immunsystem wird geschwächt und die Fähigkeit zur Regeneration sinkt deutlich. Selbst wenn der Fisch zunächst wegschwimmt, kann er Stunden oder Tage später sterben.
Sollte man den Haken entfernen oder die Schnur abschneiden?
Eine zentrale Frage wurde in mehreren Studien untersucht, unter anderem von Tsuboi et al. (2006) und Aalbers et al. (2004).
Das Ergebnis ist überraschend eindeutig.
Fische haben deutlich bessere Überlebenschancen, wenn die Schnur abgeschnitten wird und der Haken im Körper verbleibt, anstatt ihn gewaltsam zu entfernen.
In der Studie von Tsuboi lag die Überlebensrate bei Fischen mit abgeschnittener Schnur bei über 80 %, während sie bei entfernten tief sitzenden Haken deutlich niedriger war.
Der Grund liegt darin, dass beim Entfernen zusätzliche Verletzungen entstehen. Der Haken reißt Gewebe auf, Blutungen verstärken sich und die ohnehin kritische Situation verschlechtert sich weiter.
Können Fische Haken selbst wieder loswerden?
Hier gibt es tatsächlich interessante Beobachtungen, vor allem bei Raubfischen wie Hechten.
Untersuchungen und Feldbeobachtungen zeigen, dass Fische Haken auf verschiedene Weise wieder verlieren können. Metallhaken können mit der Zeit korrodieren, insbesondere in Gewässern mit bestimmten chemischen Bedingungen. Zusätzlich kann sich der Haken durch Bewegung lockern und herausfallen.
Bei Hechten wurde mehrfach dokumentiert, dass sie Köder inklusive Haken wieder ausstoßen können. Das passiert entweder durch mechanische Bewegung oder durch Gewebeveränderungen im Maul- und Schlundbereich.
Wichtig ist dabei jedoch: Das funktioniert nicht in jedem Fall. Die Wahrscheinlichkeit hängt stark von der Position des Hakens und der Verletzung ab.
Welche Faktoren beeinflussen die Überlebenschance zusätzlich?
Neben der Haktiefe spielen weitere Faktoren eine große Rolle.
Die Drilldauer ist entscheidend. Je länger der Fisch gedrillt wird, desto höher ist die körperliche Belastung. Auch die Wassertemperatur beeinflusst die Überlebensrate erheblich. Warmes Wasser verschlechtert die Sauerstoffversorgung und erhöht die Sterblichkeit deutlich.
Die Fischart selbst ist ebenfalls relevant. Robuste Arten wie Karpfen überstehen Verletzungen oft besser als empfindliche Arten wie Forellen.
Was bedeutet das für die Praxis?
Die Studienlage zeigt klar, dass tief gehakte Fische ein deutlich erhöhtes Sterberisiko haben. Gleichzeitig gibt es konkrete Maßnahmen, die nachweislich helfen können.
Wenn ein Haken tief sitzt, sollte er in den meisten Fällen nicht entfernt werden. Das Abschneiden der Schnur erhöht die Überlebenschancen signifikant.
Zusätzlich sollte der Drill möglichst kurz gehalten werden und der Umgang mit dem Fisch so schonend wie möglich erfolgen.
Hast du noch Zeit für eine kurze Bewertung?
Würde uns echt freuen. Nur so werden wir besser.
Durchschnittliche Wertung 4.6 / 5. Anzahl Bewertungen: 31
Sei der Erste, der diesen Beitrag bewertet!















