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Zanderstandorte im See - hjälmaren
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Bei aller Diskussion über Köder und Angeltechniken beim Zanderfang ist die Kernfrage des erfolgreichen Anglers immer noch diese: „Wo finde ich den Fisch?“.  Wer die Antwort dazu hat, wird erfolgreich sein, egal welche Methode oder welchen Köder er bevorzugt einsetzt. Dieser Artikel beruht auf eine wissenschaftliche Studie aus Schweden.

Um nun richtige Entscheidungen am Wasser treffen zu können, die zielführend sind, kann man auf eine Reihe von Bausteinen vertrauen, die verschiedene wissenschaftliche Fischereistudien erarbeitet haben. Eine schwedische Untersuchung am See Hjälmaren, ein auch von Berufsfischern genutztes ausgesprochen ergiebiges Zandergewässer, gibt z.B. Aufschluss über die Zanderbewegungen durch die Jahreszeiten und hat auch noch weitere Erkenntnisse parat, die uns Angler schnell und erfolgreich zu unserem Zielfisch bringen können. Der Hjälmaren ist mit ca. 450 km² Schwedens viertgrößter See. Mit einer mittleren Tiefe von 6 m und einer max. Tiefe von 20 m gehört er zu den nährstoffreichen Flachwasserseen.

Die Studie wurde mit 2300 (Größe 22-40cm) markierten Zandern, die mit Reusen im See gefangen und am Fangort wieder ausgesetzt wurden, durchgeführt. Das Gewässer selbst hatte man in sieben Teilgebiete unterschiedlicher Beschaffenheit (Tiefe, Bewuchs usw.) aufgeteilt, in den die Markierungs-und Besatzmaßnahmen durchgeführt wurden. Ziel war es, folgende Aspekte zu erörtern:

  • Überlebensrate der Fische nach Fang und Wiedereinsetzen
  • Wachstumsfaktoren
  • Wanderungen der Fische im See
  • Einfluss der Gewässerregionen (1-7) auf die Fischwanderung
  • Einfluss der Jahreszeiten

Kindergarten

Die Forscher konnten zeigen, dass Zanderlebensräume immer wieder Gebiete aufweisen, die während des Sommers (April bis Oktober) nur von Jungzandern besiedelt werden. Offensichtlich ist diese Konzentration an Jungfische auf bestimmte Gewässerabschnitte  nicht nur für die Ausbildung des Sozial-und Jagdverhaltens der Fische wichtig, es scheint auch für die Entwicklung der Population insgesamt von Bedeutung zu sein. Daraus erwächst auch die Forderung, solche Gebiete für die Fischerei grundsätzlich zu sperren. Eine weitere Erkenntnis ist für uns Angler ebenfalls von Bedeutung. Die Überlebensrate von zurückgesetzten untermaßigen Zandern ist direkt abhängig davon, wie sorgsam die Fische vom Aufnehmen bis zum Zurücksetzen behandelt wurden. Es hat sich gezeigt, dass junge Zander hier besonders empfindlich reagieren. Entsprechend hoch war auch die Sterberate der markierten Fische. Wenn sie überleben, weisen sie, wenn sie öfter gefangen und zurückgesetzt werden ( bei einzelnen Fischen war das bis zu 40X der Fall), ein eingeschränktes Längenwachstum auf, das leicht 20% unter dem seiner Altersgenossen liegt.

Wachstumsunterschiede

Interessanterweise ist das Längenwachstum bei Zandern sehr individuell gestrickt. Fische aus der gleichen Größenklasse weisen im Laufe ihrer Wachstumsperioden große Unterschiede auf, die sich aber verringern, wenn sie sich dem Mindestmaß von z.B. 40cm nähern. Bei den Untersuchungen hat man eine durchschnittliche jährliche Zuwachsrate von rund 5cm festgestellt, so dass Jungfische von 25-30cm frühestens nach 2 Jahren ihr Mindestmaß erreichen können. Erstaunlich war allerdings die Erkenntnis, dass Zander der gleichen Altersstufe länger waren, wenn  sie ins Treibnetz gingen, im Vergleich zu solchen, die in  Reusen gefangen wurden. Hier liegt der Schluss nahe, dass Zander unterschiedliche Jagdstrategien entwickeln, die sich auf bestimmte Gewässerzonen konzentrieren. Das würde einen besseren Jagderfolg und damit ein  Mehr an Biomasse erklären.

Zanderstandorte

Spannender und ergiebiger für uns Angler sind aber Kenntnisse über die Wege, die Zander im Laufe eines Jahres zurücklegen. Während der Sommermonate wurden die markierten Zander sehr nah am Markierungspunkt gefunden; die Hälfte aller gefangen Zander in einem Radius von nur 1km um den ursprünglichen Standort. Je kleiner der Zander war, umso standorttreuer war er. Im Winter waren die Entfernungen mit durchschnittlich 5km vom Freilassungsstandpunkt deutlich größer. Im Sommer wurden die markierten Fische im Allgemeinen in dem Gebiet gefangen, in dem sie ausgesetzt wurden.

Wichtige Erkenntnis: Der Zander verlässt im Sommer sein Jagdgebiet eher nicht. Er wandert erst im Winter in tiefere Gefilde ab.


Welche Seeabschnitte sind zum Zanderangeln interessant?

Zanderstandorte im See - hjälmarenInteressanterweise gab es große Unterschiede im Wanderverhalten der Fische im Sommer, je nachdem in welchem der sieben Seegebiete sie gefangen und wieder ausgesetzt wurden. So konnten im Abschnitt Nr. 7, der im Auslaufbereich des Sees liegt, eine sehr hohe Standorttreue festgestellt werden, die auch im Winter anhielt, während die Fische aus den Gebiete 1 und 2 , die im Wassereinlaufgebiet des Sees liegen, eine große Wanderbereitschaft, mit einem Radius von mehr als 5 km, auch im Sommer zu sehen war.

Die Differenzen im Wanderverhalten lassen sich vielleicht so erklären: Im Auslaufbereich, wo das Wasser des Hjälmaren in das Mälaren Seengebiet fließt, ist mit kontinuierlichem Futterfischaufkommen durch Zuwanderung zu rechnen, so dass der Zander praktisch das ganze Jahr über genügend Beute in seinem Revier vorfindet. Es besteht also für ihn kein Grund, sein angestammtes Revier zu verlassen. Im Einlaufbereich hingegen kann der gegenteilige Effekt auftreten. Einerseits kann der Futterfisch stromauf oder in der anderen Richtung in den zentralen Seebereich abwandern, wenn sich sein Nahrungsangebot verändert. Der Zander wird dem Futterfisch dann folgen .

Zanderspezialisten werden also als erstes Gewässerstellen suchen, die ein hohes Futterfischaufkommen haben. In vielen Gewässern kann man das im Sommer am Jagdverhalten der Barsche erkennen, wenn im flachen Uferbereich tagsüber für viel Bewegung im Wasser gesorgt wird. Haben wir solche Stellen gefunden hat, braucht man mit wachsender Dämmerung auf den Zander nicht lange zu warten. Empfindliche Kleinfische, die durch die Barschattacken verletzt wurden oder gar verendet sind, stellen eine bequeme Zandermahlzeit dar, die praktisch den ganzen Sommer zur Verfügung steht.

Die Erfahrung zeigt, dass wechselnde Wasserstände praktisch keinen Einfluss auf die Situation haben. Die Studie hat auch das bestätigt. Für Stauseeangler ist das sicher eine weitere interessante Erkenntnis.

Merke

  • Je nach Jagdrevier sind Zander standorttreu im Sommer und kehren auch im Folgejahre wieder an ihre bevorzugten Stellen zurück. Wer also ergiebige Angelstellen auf Zander gefunden hat, kann dort in den Sommermonaten auch bei wechselndem Wasserstand erfolgreich sein und braucht seinen Zielfisch nicht zu suchen.
  • In den Wintermonaten zieht sich der Zander in die tieferen Stellen des Gewässers zurück und legt dabei, je nach Gewässergröße auch weitere Entfernungen zurück.
  • Topstellen eines Gewässers sind über ein hohes Kleinfischaufkommen, das im Gebiet dauerhaft vorhanden ist, zu finden.  Meist gibt es in der Nähe auch tiefere Stellen, die der Zander bei hellem Licht gerne aufsucht und von denen er schnell in sein Jagdrevier bei Dunkelheit wechseln kann.
  • Jagdaktivitäten von Barschen, die tagsüber zu beobachten sind, schaffen  beste Voraussetzungen für den Zander während der Dunkelheit, weil er bequem auch angeschlagene und tote Kleinfische aufsammeln kann.

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