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Hechte angeln

Hechtangeln im Frühjahr 6.34 a final Hechtreviere sind sehr unterschiedlich
4.6
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Eine für den Hecht sehr wichtige Kalenderperiode ist das Frühjahr. Es ist geprägt von der aufblühenden Vegetation und das Leben unter Wasser entwickelt sich gerade explosionsartig. Für die Hechte steht nun ein jährlich stattfindender Standortwechsel kurz bevor. Das bedeutet konkret, dass es noch keine so festen Hotspots für Hechte wie im Sommer gibt.

Zum Laichen kommen Hechte an wenigen Plätzen im See zusammen und nachdem sie sich vom Laichgeschäft erholt haben, machen sich die ersten Hechte auf den Weg zu ihren Sommerrevieren. Oft sind das die Uferkanten der Flüsse und der stehenden kleinen und großen Gewässer.

Merke

Wer den richtigen Zeitpunkt bestimmt, zu dem die Hechte laichen, kann auf hungrige Hechte hoffen. Die Wassertemperatur ist ein guter Indikator, um die Stimmung der Hechte einzuschätzen.

Der Standortwechsel der Hechte geschieht gerade rechtzeitig, bevor dann wenige Wochen später Massen an Friedfischen an die Ufer ziehen werden, um zu laichen. Aber noch ist es nicht so weit, noch sind Hechte mal hier, mal dort zu finden. Aber eines eint sie alle: Da sie nun immer aktiver fressen, suchen sie die Nähe ihrer Beutefische. Diese haben im noch kühlen Frühjahr eine besondere Vorliebe: warmes Wasser.

Inhaltsverzeichnis

Wärme, ein Indiz für einen Hotspot

(Wassertemperatur: 10–17 °C)

Zu Beginn des Frühjahrs kann sich das Wasser endlich nachhaltig erwärmen. Bei Wassertemperaturen von noch durchschnittlich 5-7 °C zieht es die meisten Fische in die möglichst wärmste Region in ihrer Umgebung. Flache Buchten werden zu einem guten Hotspot. Sie erwärmen sich schneller als Bereiche mit tieferem Wasser. Sind die Buchten nur über einen schmalen Zugang mit dem tieferen Wasser verbunden, ist das perfekt.

Hecht 6.26 final trübes braunes Wasser

Die Wasserfarbe verrät gute Hotspots zum Hechteangeln im Frühjahr

Auch die Wasserfarbe spielt jetzt eine wichtige Rolle. Trübes oder braunes Wasser erwärmt sich schneller als klares. Hier zieht es viele Fische hin. Trübes bzw. gefärbtes Wasser erkennen wir ohne Zweifel recht einfach: Wir sehen es.

Welche ist die beste Köderfarbe für trübes Wasser?

Im trüben Wasser spielen leuchtende Farben eine große Rolle. So, jedenfalls denken viele Angler. Doch das trübe oft braune Wasser hat eine gemeine Eigenschaft. Es verändert die Farbwirkung der Köder. Im folgenden Video sehen wir einen Auszug unseren Köderkurses “So findest du die beste Köderfarbe für Hechte, Barsch und Zander“.

Gerade die Umrisse des Köders sind bei trübem Wasser von Bedeutung. Für uns ist es deshalb wichtig zu wissen, welcher Futterfisch bei unseren Räuber auf dem Speisezettel steht. Stinte haben eine andere Gestalt als Barsche und kleine Brasse unterscheiden sind deutlich von Gründlingen. 

Einige Köderfarben sind allerdings für eine erfolgreiche Angelei im Frühjahr durchaus von Bedeutung. Grundsätzlich sollte der Köder je fortgeschrittener das Frühjahr ist auffallen, denn es gibt zum Ende hin gibt es für Hechte Beute im Überfluss.

(Hier siehst du eine Unterwasseraufnahme eines Köderfarbtests in bräunlichem Wasser: Wir testeten für unseren Köderkurs verschiedene Köderfarben im Laufe eines Jahres zu verschiedenen Zeitpunkten, in unterschiedlichen Tiefen und unterschiedlichen Gewässern. So bekommt man wirklich einen guten Einblick darin, wie Köder wirken und muss sich nicht von Marketing und bunten Anzeigen bei der Köderauswahl leiten lassen. Ist halt mal eine andere Herangehensweise.

In diesem Video beträgt die Tauchtiefe unserer Drohne ca. 1,80m. Die Aufnahmen entstanden nachmittags bei Sonnenschein im Frühjahr (April 2019) in einem Hamburger Kanal. Der Lichteinfall der Sonnenstrahlen war also schräg.)

Das Ziel bei der Farbwahl des Köders muss es sein, dass unser Wobbler, Gummifische, Spinner oder Blinker beim Angeln in der Masse der Beutefische auffen. So, verbessert man seine Chancen auf einen Raubfisch um einige Level. Das erspart einem etliche Schneidertage.

Merke Gerade im Trüben Wasser kommt es weniger auf die Farbe des Köders ans als auf den Kontrast zum Hintergrund. Weiße und schwarze Köder bieten bei hellem Wetter einen überdurchschnittlichen Kontrast. Bunte Köder sehen unter Wasser in braunem Wasser oft blass dagegen aus.

Technische Hilfsmittel, um Hotspots zu finden

Wer die Temperatur genau wissen möchte, kann ein paar technische Hilfsmittel nutzen, um die warmen Bereiche in einem Gewässer zu finden.

Hecht 6.27 final Echolot - Temperaturlinie und Weicher Boden S00217

Abbildung 6.25—Echolot Temperaturlinie und weicher Boden

Wir sehen hier ein typisches Bild eines 2D-Echolotes. Darauf erkennen wir zum einen oben die Temperaturlinie. Sie zeigt uns die Veränderung der Wassertemperatur über die vorherige Zeit. Wer hier eine langsame Bildlaufgeschwindigkeit einstellt, kann so die Temperaturveränderungen der letzten Minuten vergleichen. Die aktuelle Wassertemperatur wird in unserem Beispiel unten links angezeigt.

Hecht angeln im Frühjahr 6.28 - Deeper harter Untergrund

Abbildung 6.28 — Deeper-Sonar, harter und weicher Boden

Eine weitere Möglichkeit Plätze zum Hechtangeln zu finden bieten uns mobile Echolote für die Angel. Der Deeper Fischfinder zeigt die Bodendetails an und man kann auf das wärmste Wasser in einem Gebiet schließen. Dafür braucht es nur einen Blick auf die Bodenlinie.

Die Echolot-Anzeige gibt uns einen Hinweis darauf, wie hart oder weich der Untergrund ist. Ein weicher Boden ist immer ein guter Anhaltspunkt, dass das Wasser in diesem Bereich trüb ist. Ein schlammiger weicher Untergrund sorgt z. B. dafür, dass sich das Wasser bräunlich färbt und es sich schneller aufheizen kann. Den weichen Boden erkennen wir an einer einzelnen und möglichst schmalen Bodenlinie.

Das Laichen der Beute beginnt

(Wassertemperatur: 10–17 °C)

Wenn die meisten anderen Fische beginnen sich fortzupflanzen, ist der Laichprozess der Hechte längst vorbei. Für sie beginnt jetzt eine Zeit der Fülle und sie steigen nach und nach so richtig ins Fressen ein.

Die Natur hat das ziemlich clever für die Hechte eingerichtet. Rotaugen, Brassen und Rotfedern laichen in Mitteleuropa meist im April und Mai. Die laichenden Friedfische sind unaufmerksam und eine sehr leichte Beute für die Räuber. Dieses fette Mahl lassen sich Hechte nicht entgehen!

Wie findet man nun die Hotspots für die großen Hechte?

Weitläufige und flache Bereiche am Ufer sind hervorragende Laichplätze für viele Friedfische. Wer jetzt mit der Wathose unterwegs ist, kann auch großen Hechten in sehr flachem Wasser in unmittelbarer Ufernähe begegnen. Oft jagen die Hechte nur wenige Meter von einem entfernt in 0,5-1 m flachem Wasser.

Das folgende Bild zeigt verschiedene Tiefenbereiche einer Karte auf. Die grün markierten Bereiche sind nur knapp 0,5 m tief. Hier kann man durchs Wasser waten und große Hechte angeln

Bild (17) Test Navionics Sonarcharts Live angeln in norwegen Luftbild Land zoom

Langsamer Wechsel der Jagdstrategie

(Wassertemperatur: 15–18 °C)

Hechtangeln im Frühjahr 6.34 Hecht im Versteck

Abbildung 6.35—Hecht im Versteck

Zum Ende des Frühjahrs bilden die Unterwasserpflanzen nun erste richtige Rückzugs-gebiete für die Hechte. Diese nutzen die neu entstandenen Versteckmöglichkeiten und stehen direkt in der zwar noch löchrigen, aber immer dichter werdenden Vegetation. Gerade die großen finden noch genügend Deckung für die Beutejagd. Die meisten Hechte haben jetzt ihre Reviere besetzt, immer mehr ändern jetzt ihre Angriffstaktik und werden vom aktiv nach Beute suchenden Räuber zur „Sit and wait“-Jagdstrategie in ihrem jeweiligen Revier übergehen.

Hechte erreichen ihre Sommerreviere

Hechtangeln im Frühjahr 6.34 a final Hechtreviere sind sehr unterschiedlich

Abbildung 6.36 —Hechtreviere sind sehr unterschiedlich

Der Kannibalismus kann sich auch unter den größeren Hechten bemerkbar machen. Feste Reviere verhindern, dass zu viele Hechte aufeinandertreffen. Das schützt sie davor, selbst Beute zu werden. Im Frühjahr sind unzählige Hechte an den Ufern der Gewässer vorhanden. Unter den tausenden geschlüpften Hechten steht der Kanniba-lismus auf der Tagesordnung.

Die größeren Hechte müssen sich dagegen erst einmal treffen. Das wird sich im späten Frühjahr nicht vermeiden lassen, da gerade die größeren Hechte größere Reviere oder einen größeren Aktionsradius haben. Sie kommen dadurch zwangsläufig in Nachbars Garten. Und wenn Hechte auf Hechte bzw. auf Köder, die wie Hechte aussehen treffen – ist das für uns Angler nicht so schlecht.

Interessant ist, das in wissenschaftlichen Studien herausgefunden wurde, dass einige Hechte sich nur wenige Meter am Tag wegen und ihren Standort ändern. So konnten zahlreiche Hechte Beobachter werden die in einem Gebiet von knapp 20 x 20 Meter mehrere Tage aushielten. 

In diesem Gebiet warteten sie auf Beute doch zum größten Teil schwebten sie geradezu ohne viel Bewegung von einer Ecke zur anderen. Man vermutet, dass einige Hechte so Energie sparen und deshalb auch nicht so häufig fressen müssen. 

Zum Vergleich: 

Bei Wassertemperaturen von ca. 4-6°C die zum Beginn des Frühjahrs noch vorherrschen, fressen Hechte nur alle 15-30 Tage. Dies steigert sich zum Ende des Frühjahrs hin. Bei Wassertemperaturen von für Hechten idealen 17-19°C jagen sie alle 1-2 Tage … und 1-2 kleine Barsche reichen guten 70er Hechten voll aus. Hechte verwerten über 90% ihrer Beute und scheiden nur wenig wieder aus. Sie sind sehr effiziente Futterwerter. 

Das bedeutet für uns Angler folgendes: 

– Hechte sind an einem Spot, auch wenn sie nicht unbedingt gleich beißen. 

– Am nächsten Tag denselben Spot abzufischen kann den Erfolg bringen.

– Viele Angler machen diesen Fehler zu oft: wenn mal nichts beißt, kehren sie oft nie zu diesem Spot zurück. 


Merke

Das Frühjahr ist eine Zeit der Veränderung für die Lebensweisen der Hechte. Wäh-rend sie erst geschwächt und appetitlos aus der Laichzeit kommen, ändert sich das im Laufe der folgenden Wochen. Sie finden nun an den Ufern so konzentriert und reichhaltig Nahrung, wie es das ganze Jahr über nie wieder sein wird. Sie können unter den unzähligen Beutefischen aus dem Vollen schöpfen.

Diese Veränderungen des Hungers, der verfügbaren Beute und der Jagdstrategie der Hechte werden Einfluss auf unser Angeln haben. Um erfolgreich zu sein, müssen wir im Frühjahr viel öfter unsere Köder an die Situationen anpassen, mehr über Hotspots nachdenken und auch die Köderführung von ganz langsam auf schnell und abwechs-lungsreich umstellen.

Wenn wir das mal zusammenfassen, kann man an dieser Stelle sagen, dass das Frühjahr eine sehr interessante Zeit für das Hechtangeln sein kann. Spannend wird es im Sommer.


Tipp

Dieser Artikel ist ein Auszug aus “Modernes Fische Finden – Der Hecht

In diesem Buch geht es auf über 280 Seiten nur um das Ausspüren des Hechtes? Keine “beste Köderaufzählung” und auch keine “aufgewärmten Angeltaktiken”. Das Buch setzt viel früher an – Immer nach dem Motto: ”Was bringt die beste Angeltechnik, wenn du an der falschen Stelle angelst?”

  • warum er wo und wann jagt und
  • welchen Einfluss Wind und Wetter auf die Beißzeiten haben
  • wann er welche Beute oder Köder wie bevorzugt
  • welche Hotspots zu welcher Jahreszeit am vielversprechendsten sind
  • und, und, und

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