Einführung: Wie suche ich die beste Köderfarbe für Zander, Hecht und Barsch aus?

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Mit der richigen Methode ählst du den passenden köder für Zander, Hecht und Barsch aus
Einführung: Wie suche ich die beste Köderfarbe für Zander, Hecht und Barsch aus?
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Bei Kunstködern kennen wir das alle: heute in rot/silber eine Fanggarantie, morgen der absolute Flopp. Warum eine bestimmte Farbkonstellation bei unseren Ködern manchmal unwiderstehlich ist und an anderen Tagen auf den Namen „Schneider“ hört, ist eine spannende Frage, die mich schon lange beschäftigt. Ich wollte endlich einmal Antworten haben, und habe mich in den ein– oder anderen wissenschaftlich orientierten Beitrag eingelesen.

Mit erstaunlichen Ergebnissen und der Erkenntnis, dass es bei diesem Thema keine einfachen Antworten gibt. Je mehr man in seinen Bemühungen Klarheit zu schaffen in die Tiefe geht, umso mehr Fragen tun sich auf.  Letztendlich ist aber gerade das hilfreich bei der Beantwortung der ewig jungen Frage: “Auf welche Köderfarbe beißen sie denn heute”?

Moment! Wer sagt denn, dass die Köderfarbe beim Angeln überhaupt eine Rolle spielt? Vielleicht ist ein bestimmter Köder der Farbe X nur zufällig erfolgreich und ein anderer nicht. Ist es tatsächlich die Farbe, die den Ausschlag gibt oder eher die Reizwirkung der Bewegung? Oder ist die Köderführung das NONPLUSULTRA des Fangerfolges?

Um auch nur eine dieser Fragen beantworten zu können, sind einige biologischen und physikalische Bedingungen des Farbsehens von Bedeutung, die interessante Einblicke gewähren und unsere bisherigen Köderwahl durchaus auf den Kopf stellen können.

Welche Rolle spielt das Licht bei der Farbwahrnehmung?

Das gesamte elektromagnetische Strahlenspektrum der Sonne umfasst einen großen Bereich von Lichtwellen unterschiedlicher Länge. Jede Wellenlänge repräsentiert eine Lichtfarbe.

Von diesem Spektrum sehen wir als Primaten nur einen kleinen Ausschnitt. Das für uns sichtbare Tageslicht umfasst den Bereich von blau(kurzwelliges Licht) über grün und gelb bis rot(langwelliges Licht).

Nach der von Helmholtz und Young beschriebenen Dreifarbentheorie stützt sich unser Farbsehen auf drei Primärfarben blau, grün, rot, die sich bei etwa gleicher Lichtstärke zum Farbeindruck weiß addieren.

Man spricht deshalb von einer additiven Farbmischung. Man nennt sie auch physiologische Farbmischung, weil sie in unserem Gehirn abläuft. 

Das sieht dann so aus (additive Farbmischung):

Rot+grün+blau = weiß, rot+grün =yellow, grün+blau=cyan, rot+blau =magenta. 

Unser Farbeindruck entsteht also als elektrochemische Reaktion in unserem Gehirn als Addition der drei beschriebenen primären Grundfarben rot, grün und blau. Unsere Vorstellung von Farbmischung im täglichen Leben, sei es mit dem Malkasten oder unseren Farbdruckern sieht anders aus.

So verwendet unserer Tintenstrahldrucker magenta(rot Ton), Cyan(blau Ton) und yellow(gelb Ton) als Grundfarben und mischt sie subtraktiv. Damit ergeben sich andere Mischfarben als wir sie im additiven Verfahren gesehen haben. Man spricht hier von sekundären Grundfarben, weil sie durch Mischung zweier primärer Grundfarben entstanden sind.

In unseren Druckern entstehen z.B. folgende Mischungen:

Yellow + cyan= grün  ,  yellow+ magenta =rot      cyan + Magenta = violett

Ziehen wir alle drei Farben ab, ergibt das Weiß, mischen wir sie im gleichen Verhältnis miteinander, erhalten wir Schwarz.

Farben werden physiologisch additiv mit primären Grundfarben, subtraktiv im Alltag mit sekundären Grundfarben gemischt mit unterschiedlichen Ergebnissen

Wie entsteht ein Farbeindruck?

Unser Auge (additives Farbsehen) hat für jede der Grundfarben sogenannte Zapfen(Farbzellen), die nur für bestimmte Wellenlängen des Lichtes empfindlich sind. Für das Sehen bei geringer Helligkeit, zum Nachtsehen oder Dämmerungssehen sind die sogenannten Stäbchen zuständig, die empfindlicher sind und deshalb auch bei wenig Licht noch Objekte erkennen können.

Farben werden dann nur noch als Grautöne wahrgenommen. Der Farbeindruck eines Objektes entsteht im Gehirn des Betrachters als Auswertung von Reizen, die es über die Farbzellen erhält. Diese Reize sind umso stärker, je mehr Lichtwellen eines Typs reflektiert werden. Ganz simple heißt das, eine Farbe wird z.B. als rot erkannt, wenn die Lichtwellen der rote Lichtanteils vom Objekt reflektiert werden, während andere z.B. die von  blau und grün vom Objekt großenteils absorbiert, d.h. aufgenommen werden.

Alle Mischfarben bestimmt das Gehirn über den Anteil an reflektierten und absorbierten Lichtwellen. Dieser biologische Sachverhalt ist sehr wichtig, wie wir noch sehen werden. Denn rot ist nicht mehr rot, wenn irgendetwas die Reflektion des roten Lichts behindert oder anders ausgedrückt, der rote Lichtanteil herausgefiltert wird.

Der Farbeindruck entsteht durch die Auswertung von reflektierten und absorbierten Lichtstrahlen unterschiedlicher Wellenlängen(Farben).

Können Raubfische überhaupt Köderfarben unterscheiden?

Wissenschaftlich ist diese Frage durch eine Vielzahl von Untersuchungen und Experimenten beantwortet worden. Natürlich weiß man nicht so genau, welche Bilder bei Fischen im Gehirn entstehen. Alle medizinischen oder chemisch-physikalischen Untersuchungen oder Experimente hatten zum Ziel, zu zeigen, welche Fähigkeiten bei Fischen vorhanden sind und ob es Unterschiede zwischen den Arten gibt.

Gesichert ist die Erkenntnis, dass Fische im Nahbereich ein klares Bild haben, Bewegungen erkennen können und eine sehr gute Kontrasterkennung mitbringen. Klar ist, dass eine gewisse Lichtmenge vorhanden sein muss, damit Köderfarben überhaupt erkannt werden.

Die meisten Fische nehmen Farben war, die in ihrer Umgebung vorkommen. Aufgrund ihres Lebensraumes und der Tiefe des Wassers können einige Fische Farben besonders gut sehen. Das trifft z.B. auf die Salmoniden der Forellenregion zu und passt insbesondere im Salzwasser für die farbenfrohen Riffbewohner. Fische der Tiefenregion verfügen nur über ein eingeschränktes Farbsehvermögen. 

Fische haben je nach Art  also ein gut ausgebildetes Farbsehvermögen. Diese Fähigkeit hat sich im Laufe der Evolution in einer Weise entwickelt, die in Teilbereichen leistungsfähiger (junge Forellen sehen z.B. UV Licht) ist, als das Farbsehen der Primaten, zu denen auch wir gehören. Aber die Evolution ist niemals verschwenderisch, so dass es große Unterschiede bei den Flossenträgern gibt, je nachdem wie die Bedürfnisse der einzelnen Lebensräume ausgeprägt sind. 

Fische sehen Farben, wie wir, durch Lichtwellenreflektion bzw. –absorption.

Fische können Köderfarben differenziert unterscheiden, je nach Lebensraum besser oder schlechter

Welche Rolle spielen Farben im Leben eines Fisches?

Das Überleben eines Flossenträgers hängt davon ab, wie gut er sich tarnen kann, um Fressfeinden zu entgehen und wie schnell und sicher er Nahrung findet, die seinen Organismus in Bewegung hält und seine Reproduktion (Fortpflanzung) sicherstellt.

Raubfische tarnen sich, um von Beutefischen nicht erkannt zu werden, Beutefische, um nicht gefressen zu werden. Schaut man von oben auf den Fisch, verschmilzt er wegen seines dunklen Rückens mit dem Untergrund. Von unten betrachtet, ist er mit seinem  hellen silbernen Bauch im Gegenlicht praktisch unsichtbar. Horizontal sind es bestimmte Muster im Schuppenkleid oder Braun- und Grüntöne, die den Fisch in seinem Pflanzumfeld unauffällig daherkommen lassen.

Frei nach dem Motto: sehen aber nicht gesehen werden. Wie anpassungsfähig in der Farbgebung bestimmte Fischarten unserer Breitengerade sind, hat je nach Gewässer jeder erlebt. Blassgezeichnete Exemplare in klaren Gewässerregionen und solche mit ausdrucksstarkem Mustern in dunklen Wassern.

Überdeutlich wird das System „Täuschen und Tarnen“ bei den farbenprächtigen Riffbewohnern, die im Aquarium schreiend bunt daherkommen und in ihrem natürlichen Lebensraum gerade wegen ihres bunten Anzuges, mit der Umgebung verschmelzen. Häufig spielt die Farbgebung auch bei der Fortpflanzung eine Rolle. 

Fische verwenden Farbmuster zur Tarnung und  zur Fortpflanzung

Ist die Wirkung der Farbe beim Fischköder schon einmal nachgewiesen worden?

Es gibt eine Reihe von Experimenten zu diesem Thema. Bei Forellen z.B. hat die Einfärbung von Maden mit rot oder pink zu einer messbar stärkeren Annahme des Futters geführt. Solche Versuche sind dann erfolgreich, wenn sie eine natürliche Nahrungsaufnahme kopieren. Zuckmücken Larven sind im Frühjahr in den Bächen und Teichen die bevorzugte Nahrungsgrundlage, nicht nur bei Forellen.

Auch Barsche lieben diese Nahrung, solange sie vorkommt, stellen sich aber dann nach dem Laichgeschäft auf Fischbrut und Kleinfische um, sobald diese in ausreichender Zahl vorhanden sind. Wenn wir also im Frühjahr mit unserem Barschblinker oder einem kleinen Wobbler diesem Fisch nachstellen, werden wir wahrscheinlich erfolglos bleiben, während ein gezupfter kleiner Rot Wurm im Frühjahrshochwasser sich als  Toppköder herausstellt.

In Kanada ist der Spin-In-Glow, eine Art rotierende Propellerboje, bei der Grundangelei auf schwere Königslachse, ein überaus populärer Köder. Experimente mit unterschiedlich gefärbten Typen haben gezeigt, dass einige Farben von Angelködern häufiger attackiert werden als andere, wenn bestimmte Bedingungen (Lichtverhältnisse, Wassertrübung) vorliegen, bei anderen Voraussetzungen ist die Farbe im Fressverhalten der Fische nicht signifikant.

Letztlich halten sich wissenschaftliche Untersuchungen, die im Ergebnis feststellen, dass die Köderfarbe beim Beißverhalten der Fische eine Rolle spielt mit denen die Waage, die genau das nicht nachweisen konnten. 

Köderfarben können für das Beißverhalten der Fische unter bestimmten Umständen förderlich sein.

Experimentell gibt es Konstellationen, die auf die Bedeutung einer Farbe hinweisen, bei anderen Versuchen wurde das eher nicht bestätigt.

Welchen Einfluss hat das Medium Wasser aus die Köderfarbe?

Unser Farbeindruck basiert auf dem Medium Luft, in dem wir uns aufhalten und das wir zum Überleben brauchen. Aus Erfahrung wissen wir, dass bestimmte Konstellationen der Witterung, wie Rauch und Nebel, unser Farberkennen grundlegend beschneiden können, weil der Reflexionsmechanismus durch Partikel(Rauch) oder Wasser Tröpfchen(Nebel) gestört wird.

Wenn es in den Lebensraum der Fische geht, stellen wir schnell fest, dass dieses Medium für den Fisch und dem ihn nachstellenden Angler eine andere Herausforderung darstellt. Viele Eigenschaften des Lichts ändern sich nämlich, wenn es ins Wasser geht. Die Erklärung dafür ist nicht so ganz einfach, hilft aber zu verstehen, was Fische wahrnehmen können und welche Konsequenzen das für den Angler bei seiner Köderwahl hat.

Im Wasser verändert sich das Licht durch zwei physikalische Faktoren: die Lichtstreuung und die Lichtabsorption. Fangen wir mit der Absorption an. Wenn wir einen langen Raum haben mit nur einem Fenster, wissen wir, dass die Helligkeit(Lichtintensität) im Fensterbereich am größten ist und mit zunehmender Raumtiefe sichtbar abnimmt. Ähnlich verhält es sich im Wasser.

Je tiefer man kommt, umso dunkler wird es, weil das Licht mit zunehmender Entfernung von der Wasseroberfläche absorbiert wird. Der Verlust beträgt in 3m Tiefe bereits 60%. Wenn wir unser sichtbares Lichtspektrum betrachten, geschieht das aber nicht gleichmäßig. Langwelliges Licht wie z.B. rot oder orange verschwindet schneller als kurzwelliges, blaues Licht.

Rot hat sich praktisch in fünf Metern Tiefe bereits in grau verwandelt. Wer also glaubt, dass seine roten Gummimakks auf Dorsch in nur 10m Tiefe besonders fängig sind, sollte sich diesen Umstand einmal vor Augen führen.

Die Lichtstreuung wird hervorgerufen durch Schwebeteile im Wasser. Je mehr Partikel vorhanden sind, umso größer ist der Effekt. Dieser Vorgang ist vergleichbar mit unserem Nebel oder Rauch in der Atmosphäre.

Stehende Gewässer in algengrün sind ebenso betroffen wie Flüsse, die jede Menge Sedimente mitführen. Die Küstengewässer machen auch keine Ausnahme, da sie durch die mannigfache Wassereinleitung der Flüsse und Bäche „partikelbelastet“ sind. Erst im Offshore Bereich nimmt die Lichtstreuung ab. Hier finden wir mehr Licht in größeren Tiefen.

Als Erkenntnis haben wir gewonnen: Mit zunehmender Tiefe wird das Licht blau (kurzwellig), wenn alle Farben verschwunden sind schwarz, d.h. es ist dunkel. In 10 m Tiefe und einem Verlust von 85% sind alle langwelligen Farben wie rot, orange und gelb verschwunden. Für unseren Dorschangler heißt das: wenn die Köderfarbe überhaupt eine Rolle spielen soll, kann es nur noch grün oder blau sein.

Jetzt kommt ein überraschendes Element: Die beschriebenen Lichteffekte arbeiten nicht nur von oben nach unten, d.h. im Tiefenbereich, sie gelten auch für die horizontalen Entfernungen.

Befinden sich Räuber und Beute auf gleicher Höhe z.B. in einem 3m Abstand, so tritt der gleiche Zustand auf, wie in 3m Tiefe. Das heißt, der Abstand des Fisches zum Köder bestimmt seine Sichtbarkeit.

Für die Entscheidung unserer Köderfarbe ist also nicht das wirksam, was wir in unserer Köder Box sehen, sondern nur das, was im Wasser davon übrigbleibt. Und das kann sich grundlegend von dem unterscheiden, was wir annehmen.

Das Licht nimmt mit zunehmender Entfernung durch Streuung und Absorption nach Farben gestaffelt ab. Bei 10m Wassertiefe liegt der Lichtverlust bereits bei 85%. Farben stellen sich im Wasser häufig anders dar.

Was ist jetzt mit dem Raubfisch wir Zander, Hecht und Barsch?

Nun, der Fisch muss sich u.U., genau wie wir durch den „Nebel“ kämpfen, evtl. verschwindet seine Umgebung zeitweise auch in dichten „Rauchschwaden“. Die Evolution hat ihn deshalb mit einer Reihe anderer Sinnesorgane ausgestattet, die ihm ein Überleben unter solchen Bedingungen zu sichern.

Laute, Gerüche und Druckwellen kann er sehr fein wahrnehmen, so dass er das Auge eigentlich nur als letzte Bestätigung benötigt. Das mag der Grund sein, warum z.B. blinde Hechte noch erfolgreich jagen können.

Der ein- oder andere, den ich gefangen habe, war noch normal im Futter. Wir verstehen jetzt auch, warum die Fische nur im Nahbereich scharf sehen (Kurzsichtigkeit). Bei Nebel ist das Fernlicht für uns auch völlig ungeeignet, unsere Nebelscheinwerfer arbeiten nur im Nahbereich.

Die meisten Fische, ob Zander, Hecht oder der Barsch, nehmen die Farben war, die ihre Umgebung aufweist. Daraus ergibt sich in der Folge, dass Fische im klaren, flachen Süßwasser oder den seichten Riffregion Farben z.B. unserer Angelköder sehr gut erkennen können, während Seefische aufgrund ihres eher farbarmen Lebensraumes (blau, grün) mit zunehmender Tiefe wenig Farbsehvermögen haben.

Die wichtigste Erkenntnis der Forschungsarbeiten ist aber die Tatsache, dass Raubfische ihre Beute am Kontrast und ihrer Silhouette erkennen, den das Futter gegen einen farbigen Hintergrund aufweist.

Der Typ und die Durchzeichnung des Kontrastes hängt von vielen Faktoren ab: Tageszeit, Untergrund, Sichttiefe im Wasser, Sonnenschein oder Bewölkung und letztlich auch von der Jahreszeit. Welche Auswirkungen diese Bedingungen im Einzelnen haben, wissen wir nicht so genau, dazu fehlen noch wissenschaftliche Untersuchungen und Experimente, die uns weitere Erkenntnisse bringen werden.

Fische verfügen über eine Reihe von Sinnesorganen, die ihr Überleben sichern. Das Auge ist nicht unbedingt das wichtigste.

Welche Köderfarbe ist nun der richtige für Zander, Hecht oder Barsch?

Viele Fische gehen den Köder von unten an. Bei Tageslicht sehen sie also nur Kontrast vor einem hellen grauen oder blauen  Hintergrund. Bei einer solchen Konstellation verschwinden alle Farben im Gegenlicht.

Das kennen wir selbst sehr gut. Bei unseren Fotos im Gegenlicht werden die Objekte dunkel bis schwarz, wenn wir sie nicht mit dem Blitz aufhellen. Farben sind da nur noch andeutungsweise zu erkennen. 

Daraus folgt direkt, dass ein Köder mit hoher Kontrastwirkung wichtiger ist als seine Farbe. Wer jetzt einwendet, dass er mit der Köderfarbe X aber immer sehr gut fängt, mag ja Recht haben, die Ursache kann aber der aus der Farbe resultierende Kontrast sein.

Wenn es um die Farbe des perfekten Köders geht wissen wir, dass rot, orange und gelb für den Flachbereich und blau oder grün für die größeren Angeltiefen überhaupt wirksam sind. Außerdem stellen sich die Farben an der Luft anders dar als im Wasser, je nachdem welcher Farbanteil des Lichts bereits absorbiert worden ist.

In tiefen Wasserregionen ist deshalb eine optische Reizwirkung weit weniger von Bedeutung als die Bewegung und das Geräusch. Im Hinblick auf die Wassertrübung scheint es deshalb wirksam zu sein, hohen Kontrast bei trübem Wasser und weniger bei klaren Bedingungen einzusetzen.

Gerade die Umrisse des Köders sind bei trübem Wasser von Bedeutung. Für uns ist es deshalb wichtig zu wissen, welcher Futterfisch bei unseren Räuber auf dem Speisezettel steht. Stinte haben eine andere Gestalt als Barsche und kleine Brasse unterscheiden sind deutlich von Gründlingen. 

Einige Köderfarben sind allerdings für eine erfolgreiche Angelei durchaus von Bedeutung auch wenn sie im Wasser mitunter ein Eigenleben führen. Grundsätzlich muss der angebotene Köder ins Beuteschema unseres Zielfisches passen.

Während der Hecht mit seinem hohen Aggressionspotential auch bei unnatürlichen Ködern durchaus einmal zugreift, reagiert der Zander eher sensibel auf das Angebot, wenn es zu sehr von seinem Beuteumfeld abweicht.

Bei diesem Fisch müssen Köderform und Kontrast zum aktuellen Beuteangebot passen. Mit unserer Farbe können wir uns aber vom übrigen Angebot etwas absetzen, wenn wir es schaffen, in der Masse der Beutefische etwas hervorzustechen ohne vom Grundmuster abzuweichen.

Ein gelber Gummifisch ist z.B. in 3 m Tiefe und trübem Wasser nicht mehr gelb, sondern hebt sich nur etwas heller vom Beutefisch ab, fällt also in der Masse als erstes auf und hat deshalb gute Chancen vom Zander genommen zu werden. 

Aus den bisherigen Überlegungen lassen sich einige Empfehlungen ableiten, die ich einmal nach Wasserzustand und Wetterformation gliedern möchte. Wenn man nach diesem Schema seine Köder Box ausrüstet und die Ködervariationen gezielt einsetzt, sollte der Erfolg nicht ausbleiben.

1. Trübes Wasser, Bewölkung, Sichttiefe bis 25cm

Bei diesem Szenario müssen Kontrast und Silhouette des Köders passen, da genau diese beiden Komponenten vom Fisch am ehesten wahrgenommen werden. Schockfarben und fluoreszierende Farben in gelb, grün, pink sind darüber hinaus interessant, weil sie die Wahrnehmung für den Fisch bei weniger Licht verbessern können.

Bestrahlt man z.B. ein fluoreszierende GELB mit blau, grün oder violett leuchtet die gelbe Köderfarbe besonders intensiv. Noch erstaunlicher ist die Tatsache, dass UV empfindliche Neonfarben Farbe sichtbar leuchten, wenn UV Licht, also ultrakurze Lichtwellen auftreffen.

Bei Bewölkung und grauen trüben Tagen ist der UV Anteil des Lichtes hoch. Diese für uns nicht sichtbaren Lichtstrahlen dringen zudem tief ins Wasser ein, so dass dieser Effekt auch bei größeren Tiefen noch auftritt. Es macht also Sinn, fluoreszierende Köderfarben bei trübem Wasser und Bewölkung sowie bei mehr Tiefgang einzusetzen.

Das ist eine Seite der Medaille, die sich besonders in dunklen Zanderregionen gewährt hat. In amerikanischen Beiträgen speziell zum Bass Fischen hat sich gezeigt, dass bei trübem Wasser und Bewölkung hier dunkle Köder wegen ihres besseren Kontrastes als erfolgreich herausgestellt haben.

Hier heißt die Empfehlung: schwarz/blau oder dunkelgrün/grün bringen die besten Erfolge in trüben Gewässern und weniger Licht.  Für uns heißt das: mit Schockfarben starten, bei ausbleibendem Erfolg auf dann auf dunkle Muster umstellen. 

Empfehlung:  mit pink beginnen wahlweise dann auf UV fluogelb/grün wechseln.

alternativ mit hohem Kontrast: schwarz/braun/grün in dunklen

Oder gleich ein paar Alternativen … 

2. Trübes Wasser , Sonnenschein

Bei Sonnenschein und trübem Wasser sind die Reflexionsbedingungen deutlich verbessert. Der Räuber erkennt Kontrastunterschiede deutlicher und ist auf bestimmte Kontrastredundanzia fixiert, die sich durch die Sonneneinstrahlung aufgebaut haben.

Weiß und mitunter auch rot haben den gewünschten Effekt, der sich je nach Wassertiefe in verschiedenen Dunkelvarianten (rot z.B. als schwarz rot) unter Wasser darstellt, die für den Raubfisch unwiderstehlich sein können.

Dabei darf der Köder durchaus Akzente auf weißem Grund vertragen. Ein roter Schwanzteller oder Kopf stellt im Kontrastangebot eine natürliche Ergänzung des Beutebildes nach.

Als Toppköder hat sich auch die Zweiteilung mit je einer Seite in schwarz und der anderen in weiß herausgestellt. Hierbei sind nicht Rücken und Bauchseite sondern die jeweiligen Flanken gemeint.

Empfehlung: mit weißgründigen Ködern beginnen, zwischendurch mal auf zweifarbig wechseln.

3. Mäßige Trübung, Sonnenschein, Sichttiefe bis 1m

Bei dieser Konstellation verbessert sich die allgemeine Sichtbarkeit des Köders unter Wasser schon deutlich. Hier bietet es sich an, auch in der Farbwahl, dem natürlichen Beutefisch ähnlicher zu werden.

Rotaugen, Ukelei, Gründling oder auch Barsch weisen dunkle Rücken und helle Bäuche auf. Unser Köder ähnelt jetzt dem Beutefisch neben Form und Kontrast auch im Farbschema.

Bei Sonneneinstrahlung und damit deutlich besserem Reflexionsverhalten der Farben wählt man die Unterschiede streng. Farbkombinationen bei der Köderwahl aus schwarz oder braun mit weiß zeichnen das passende Kontrastschema gut nach. 

Empfehlung:  zweifarbig mit schwarz/weiß beginnen und auch braun/weiß probieren

4. Mäßige Trübung , Bewölkung 

Hier sollte man ähnlich verfahren, aber wegen des schwächeren  Lichts, die Unterschiede im Kontrastduo ausgleichen. Schwarz mit grün  auch grün mit orange  sollte hier die richtige Wahl sein, um den gewünschten Effekt zu erzielen. Wer gerne experimentiert, kann die Kombination auch einmal tauschen.

Köder mit hellem Rücken und dunklen Bauch geben von der Sihouette her den Eindruck wieder, den ein Räuber erhält, wenn seine verletzte oder sterbende Beute mit „Kiel oben“ daherkommt. Bei Sonnenschein könnte das auch funktionieren. 

Empfehlung: mit schwarz/grün beginnen und auch mal die Kombi tauschen

5. Klares Wasser, Sonne, Sichttiefe deutlich über 1 m 

Klares Wasser ist für jeden Angler bei der Jagd auf seinen Räuber eine Herausforderung. Das Zielobjekt hat jetzt Sicht über den Nahbereich hinaus. Im Klartext gehen die Fangzahlen mit der Sichtbarkeit im Wasser automatisch zurück.

Statistisch lässt sich das unter bestimmten Voraussetzungen zahlenmäßig auch nachweisen. Einer der großen Shannon Seen in Irland, der Lough Ree, hat seine Wassertrübung über Jahre hinaus sichtbar dadurch geklärt, das sein Süßwassermuschelbestand deutlich zugenommen hat.

Die Fangzahlen an Hecht und Barsch sind mit der Wasserklärung proportional gesunken.  Wer also unter diesen Bedingungen überhaupt erfolgreich sein will, muss perfekte Imitationen der Futterfische verwenden.

Gute Chancen hat man bei einem vorhandenen Weißfischbestand mit den Angelköderfarben weiß oder silber, wobei man das Schuppenblitzen der Beutefische mit einem Glitter Auftrag perfekt nachahmen kann.   

Empfehlung : weiß oder silber evtl. in Verbindung mit gold und Glitter

                    Grün/silber/weiß bei hohem Barschvorkommen alternativ

6. Klares Wasser, Bewölkung

Bei Bewölkung muss man auf die natürlich Färbung der Beutefische wechseln. Alles, was bräunlich ist, kann einen Versuch wert sein.

Empfehlung : Brauntöne mit heller Schattierung zur Bauchseite

7. Nachtwasser , Mondschein

Wer zu den Nachtjägern auf Hecht und Co. gehört kann mit einem rein schwarzen Köder in der passenden Formgebung seinen Fisch fangen. Gegen das Mondlicht hebt sich ein schwarzes Imitat kontrastreich ab und entspricht dem natürlichen Bild, das ein Futterfisch in dieser Situation abgeben würde. 

Hier sind die Empfehlungen 1.- 6.  noch einmal in einer Tabelle zusammengefasst

Trübungsgrad

Sichttiefe

sonnig

bewölkt

alternativ

+++

Bis 25cm

Weißgrundig

Evtl. weiß/rot

Schockfarbe

pink

fluogelb/grün

Dunkel in schwarz/grün/braun

+

Bis 1m

Zweifarbig 

Schwarz/weiß

Braun/weiß

Zweifarbig

Grün/orange oder mit schwarz

 

Über 1m

Weiß mit Glitter

Brauntöne in

Abstimmung

Zu weiß/Glitter

Grün/weiß 

 

Fazit:  Nach unserem jetzigen Wissensstand darf unsere Köder Box ruhig sparsam ausgerüstet sein. Sicher ist keine Jumbokollektion unterschiedlichster Farbvarianten notwendig, wie uns die Industrie gerne weiß machen möchte.

Es reicht die Handvoll genannter Farben ergänzt mit einem sehr kontrastintensiven schwarz nicht nur für die Nachtangelei auf Raubfische. Großen Wert sollte man auf die Ködersilhouette legen, die Ähnlichkeiten zum Futterfisch aufweisen sollte und damit dem vertrauten Kontrastbild der Leibspeise weitaus besser entspricht, als es farbige Fischmuster in hundert Variationen tun würde.

Die Reduktion der Ködersammlung  auf wenige Farben mit guten Kontrastverhalten und passender Silhouette ist empfehlenswert.