ᐅ Was versteht man unter der Sprungschicht? 🏃‍♀️ Und wie du die Thermokline zuverlässig findest! 🌡

So findet man die Sprungschicht in einem See
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Die Sprungschicht (auch Metalimnion oder Thermokline) finden wir in vielen Seen. Sie entsteht durch die unterschiedlichen Dichteeigenschaften des Wassers bei unterschiedlichen Temperaturen. Sie liegt zwischen einer wärmeren Schicht im Oberwasser (dem Epilimnion) und einer kälteren Schicht darunter (dem Hypolimnion).

Für uns Angler ist diese Schicht von besonders großer Bedeutung, da sie einen entscheidenden Einfluss auf den Lebensraum und daraus folgend das Vorhandensein der Fische hat. Bevor wir uns um das Finden der Sprungschicht kümmern, schaffen wir noch ein paar Grundlagen, damit Du die wirklich großen Raubfische (wie beispielsweise große Hechte) an den Haken bekommst.

Inhaltsverzeichnis:

  1. Was zeichnet die Sprungschicht aus?
  2. Wie entsteht eine Sprungschicht?
  3. Wie finde ich die Sprungschicht?
  4. Angeln in der Sprungschicht
  5. Wann du doch unterhalb der Sprungschicht angeln kannst

Was zeichnet die Sprungschicht aus?

Die Temperatur oder ein ungemütliches Zuhause.

Die Sprungschicht oder Thermokline in einem See, mit Epilimnion, Metalimnion und Hypolimnion.
Die Sprungschicht zu finden ist wichtig, um Erfolg beim Angeln zu haben.

Was passiert im Metalimnion? (der Sprungschicht / Thermokline)

Die Sprungschicht ist eine Wasserschicht, in der die Temperatur sehr stark abfällt. Man kann generell sagen, dass das Wasser sich je Meter um 1°C abkühlt. Für Fische hat das eine sehr große Auswirkung auf ihr Leben, denn nicht alle mögen eine solch starke Temperaturveränderung.

Zusätzlich reichern sich in dieser Schicht Schwebeteilchen und auch Plankton an, welche sie in eine trübe Suppe verwandeln. War das Wasser im Epilimnion (Oberschicht) noch klar und warm, ist es in der Thermokline bereits kalt und trüb.

Einige Fische wie der Hecht mögen diese kühlen Temperaturen jedoch und gerade die kapitalen Exemplare verlegen im Hochsommer aktiv ihren Standort in die Sprungschicht. In der Thermokline können sie sich verstecken und aus diesem Versteck auf vorbei schwimmende Beute lauern.

Thermokline: Der Sauerstoffgehalt und der Kampf um das Überleben

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Eine weitere wichtige Veränderung innerhalb der Sprungschicht kann die Reduzierung des Sauerstoffgehaltes sein. Wir möchten noch mal das Wort “kann” deutlich betonen! Denn entgegen einem oft verbreitetem Mythos, dass sich Fische nur oberhalb der Thermokline aufhalten, stimmt das nur manchmal.

In vielen Fällen halten sie sich Fische nämlich auch unterhalb der Sprungschicht auf. Wer also diesem Mythos verfällt, lässt sich beim Angeln so manch guten Fang entgehen. Schauen wir uns die Sache mit den Sauerstoffgehalt der Thermokline doch einmal genauer an.

Ob sich der Sauerstoffgehalt innerhalb der Sprungschicht rapide reduziert, so dass ein Leben dort nicht mehr möglich ist, hängt unter anderem von der Art des Gewässers ab.

Beginnend mit dem Nährstoffgehalt: Handelt es sich um ein oligotrophes Gewässer, also meist um einen tiefen klaren kalten nährstoffarmen See, reduziert sich der Sauerstoffgehalt bis zum Grund des Sees recht wenig. Die Fische wie Lachse, Forellen, Stinte können den Grund eines solchen Seen erreichen, so dass sich sowohl Beute- als auch Raubfische ebenso in Grundnähe aufhalten.

Der hohe Sauerstoffanteil ermöglicht nämlich auch am Grund noch ein Pflanzenwachstum, sofern es das Licht bis zu diesem schafft. Wer also in diesen Seen fleißig oberhalb oder in der Sprungschicht sein Angelglück versucht … naja, Petri Heil.

In Seen die flacher und trüber sind, sieht die Sache schon anders aus. In diesen eutrophen Seen ist der Sauerstoffgehalt im Wasser generell geringer als in oligotrophen, so dass es in diesen z.B. natürlich vorkommenden keine Fische wie Forellen gibt. Diese Seen werden hauptsächlich von Barschen und Weißfischen etc. bewohnt. Eutrophe Seen sind wie bereits erwähnt sehr flach und sehr trüb.

Mesotrophe Seen sind irgendwo zwischen eu- und oligotroph anzusiedeln. Die Trophiestufe eines Gewässers wird z.B. durch den Nährstoffgehalt des Wassers bestimmt. Auf die genauen Eigenschaften und Auswirkungen der verschiedenen Arten von Seen gehen wir in unserem Buch “Modernes Fische Finden – Der Hecht” noch mal sehr detailliert ein.

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In diesen beiden Seetypen (eutroph und mesotroph) reduziert sich in der Sprungschicht nicht nur die Temperatur, sondern auch der Sauerstoffgehalt und zwar auf ein lebensfeindliches Niveau für die Fische. Dies aber nicht gleich zu Beginn der Entstehung der Sprungschicht.

Gerade zum Ende des Frühjahrs ist auch unterhalb der Sprungschicht reichlich Sauerstoff vorhaben. Dieser verbraucht sich langsam und zur Mitte des Sommers hin, wird es dann für die Fische gefährlich. Lange können sie unterhalb der Sprungschicht nicht überleben.

Zieht es sie trotzdem unterhalb der Thermokline? Ja, denn gar nicht so selten steigen Fische ab, um den Räubern zu entkommen. Dafür entfliehen sie in den sauerstoffarmen Bereich. Wir wissen ja, dass Fische an Land nicht sofort sterben, sondern es auch ohne Sauerstoff einige Minuten aushalten. Anders als wir Menschen.


Wie entsteht eine Sprungschicht?

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Schichtung-von-Fluessigkeiten-SprungschichtDie Sprungschicht entsteht durch das unterschiedliche Dichteverhältnis unterschiedlich warmen Wassers. Beim Wasser hat die Temperatur auf die Dichte einen sehr großen Einfluss. Man kann sich die Sprungschicht bildlich vielleicht mit einem Latte Machiato vorstellen. Auf die warme Milch wird heißer Espresso gegossen.

Was passiert? Der heiße Espresso schwimmt auf der Milch. Die Schichten vermischen sich erst wenn der Espresso soweit abkühlt, dass die Dichte beider Flüssigkeiten nahezu gleich ist.

Auszug aus “Moderndes Fische Finden – Der Hecht” Kap. 4.3 Seite 82 ff

Die Phasen der thermischen Schichtung eines Sees im Jahresverlauf

Die thermische Schichtung eines tieferen Sees kann in vier Abschnitte unterteilt werden. Sie ist nicht das ganze Jahr über gleich. Fische müssen sich an diese unterschiedliche Verteilung anpassen, da die thermische Schichtung einen großen Einfluss auf das Vorhandensein sowohl von Nährstoffen als auch gelöstem Sauerstoff hat.

Für uns Angler hat die Sprungschicht eine große Bedeutung, da sie in eutrophen und mesotrophen Seen eine natürliche Barriere für Fische ist und sie in die oberen Wasserschichten gezwungen werden.

Die Frühjahrszirkulation

Sprungschicht: Frühjahrszirkulation der Wassermassen in einem See.
Zu Beginn des Frühjahrs erwärmt sich das eiskalte Oberflächenwasser langsam. Sobald es an der Oberfläche die 4°C erreicht, hat die gesamte Wassermasse die gleiche Temperatur. Das Wasser kann sich ungehindert über die gesamte Wassersäule vermischen und das sorgt für einen kompletten Nähr- und Sauerstoffaustausch.

Warum gibt es im Sommer eine Sprungschicht: Die Sommerstagnation

Erklärung der Thermokline: Sommerschichtung eines Gewässers - Stagnation inklusive Bildung der Sprungschicht.Anfang, Mitte oder zum Ende des Frühjahrs, erwärmt sich das Wasser an der Oberfläche weiter. Dies sorgt für eine unterschiedliche Dichte des Wassers. Das wärmere nicht so dichte Wasser liegt auf dem unteren noch 4°C kalten Wasser wie ein Deckel.

Das Wasser stagniert und zirkuliert nicht mehr. Die Trennschicht der oberen (Epilimnion) und unteren (Hypolimnion) Wasserschicht ist die uns bekannte Sprungschicht (Metalimnion). Diese Schichtung beginnt je nach Breitengrad und beginnender Erwärmung des Wassers irgendwann im Frühjahr oder bereits zum Sommer hin.

Die Herbstzirkulation

Thermokline: Frühjahrszirkulation der Wassermassen in einem See.Zum Herbst hin kühlt sich das Oberflächenwasser wieder ab, bis sich die Temperaturen der oberen und unteren Schicht gleichen. Dann fällt die obere Wasserschicht förmlich Richtung Grund.

Das Wasser vermischt sich, so dass auch die untere Wasserschicht wieder mit Nährstoffen und Sauerstoff angereichert wird. Das Wasser zirkuliert vollständig. Für die Fische ist der Boden als Futterquelle wieder erreichbar. Die Räuber folgen ihrer Beute, um dort zu jagen, wo sie sich aufhält.

Die Winterstagnation

Sprungschicht in einem See im Jahresverlauf: Winterstagnation und Eisbildung.Im Winter kühlt sich die Oberfläche des Sees ab. Ab 0°C entsteht eine Eisschicht. Die Dichte des 4°C kalten Wassers am Grund ist am größten, so dass kälteres Wasser oder eine Eisschicht auch hier wieder wie ein Deckel auf der unteren Wasserschicht liegen. Eine Zirkulation findet zwischen den Schichten nicht statt.


In welchen Gewässern entsteht die Sprungschicht?

Die Thermokline entsteht in stehenden, tieferen Gewässern. In flachen Seen z.B. erwärmt sich das Wasser nahezu gleich bis zum Grund, so dass sie sich nicht ausbildet. Die Grenze liegt hier ungefähr bei 7 Metern, sprich erst ab dieser Tiefe kommt es zu den eben beschriebenen Prozessen im Jahreslauf und damit zur Ausbildung einer Sprungschicht.

An dieser Stelle sollten wir uns aber bewusst machen, dass es eine thermische Schichtung (also unterschiedlich warme Wasserschichten) trotzdem in allen Seen gibt.

Auch der Sauerstoffgehalt spielt in flachen Gewässern ohne Sprungschicht eine große Rolle. Im Hochsommer kann in diesen flachen Seen schon knapp unter der Oberfläche der Sauerstoff sehr knapp werden, da sich dieser in warmen Wasser nicht so gut löst.

Die Fische werden dann in tieferes und kühleres Wasser abtauchen – falls dieses vorhanden ist. Fische konzentrieren sich dann auf einen sehr kleinen Bereich in der Tiefe oder es setzt sogar ein Fischsterben ein.

Die Sprungschicht ist also nicht immer gleich einem Mangel an Sauerstoff zu setzen. Beide Phänomene (Temperatur- und Sauerstoffabfall) existieren auch unabhängig voneinander. Für ein erfolgreiches Angeln muss uns das bewusst sein.


In welcher Tiefe befindet sich die Thermokline?

Tja, die Frage nach der genauen Lage der Sprungschicht. In welcher Tiefe sich diese befindet hängt von verschiedenen Faktoren ab. Zum einen wäre da einmal die Jahreszeit zu nennen.

Im späten Frühjahr, wenn sich das Oberflächenwasser nachhaltig erwärmt hat, befindet sich sich weiter oben in der Wassersäule. Je mehr Wasser in einem See erwärmt wird, desto tiefer sinkt die Sprungschicht. Die Thermokline kann sich im Hochsommer gerne mal in 10 m oder noch tiefer befinden. Zum Herbst hin, wenn das Wasser sich wieder abkühlt, ändert sich wieder ihre Tiefe.

Auch beeinflusst der Wind die Lage der Sprungschicht. Ein starker Wind kann sie auf der einen Seeseite nach oben und auf der anderen nach unten drücken. Die Fische passen sich dem an und nutzen jetzt zugängliche Unterwasserberge oder verlassen Plätze, die sich aufgrund der Verschiebung unterhalb der Thermokline befinden.


Wie finde ich die Sprungschicht?

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Auszug aus “Moderndes Fische finden – Der Zander” Kap. 8.2.2 Seite 115

Wie finde ich die Thermokline in einem See: So sieht die Sprungschicht auf einem Echolot aus!Moderne Technik: Die Sprungschicht ist mit einem Echolot sehr gut zu erkennen. Aufgrund der hohen Ansammlung von Schwebeteilchen, Algen und Plankton reflektiert sie die Echolotsignale mal mehr oder weniger stark. Beim Echolot muss die Empfindlichkeit optimal eingestellt sein, damit man die Thermokline zuverlässig findet. Aber wenn man sie hat, dann heißt das meistens auch Angelerfolg. Mehr zum Thema Echolot und optimale Einstellungsmöglichkeiten gibt es in unserem Buch Der große Echolot Ratgeber

Eine weitere Möglichkeit ist ein Temperaturlogger. Er wird an einem Kabel ins Wasser herab gelassen und zeichnet die Temperatur in der jeweiligen Tiefe auf. Zieht man den Temperaturlogger wieder hoch, kann man sich die Aufzeichnung anschauen.

In der Tiefe, in der die Temperatur um mehr als 1 Grad abfällt (je Meter) beginnt die Sprungschicht. Das in Deutschland beste Angelgerät hierfür ist aktuell das Anaconda GT.

Wenn wir uns im Bild oben die Werte mit dem Anaconda anschauen, können wir den Temperaturabfall deutlich mit dem Anaconda GT erkennen.

Tiefe in Meter Temperatur in °C
1 20,0
2 19,8
3 19,6
4 19,5
5 19,4
6 18,2
7 17,4
8 16,3

B00S3QTGPI


Angeln in der Sprungschicht

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Pelagish oder vertikal oder doch schleppen? Ja, alle Angeltechniken sind möglich. Mit einem Echolot kann man auf den Bildschirm gut Fische und Unterwasserberge erkennen.

Auch kann man auf dem Echolotbildschirm seinen Jig deutlich beim herabsinken beobachten, sofern man unmittelbar unter dem Echolotgeber angelt. Auf der Tiefenanzeige wird die aktuelle Tiefe des Jigs dann sichtbar.

Mit einer GPS-Karte im Echolot oder Smartphone kann man die Hotspots direkt ansteuern. Wir nutzen zu Hause die Webapp von Navionics.
Die Thermokline sichtbar machen mit den Gewässerkarten der Navionics Webapp.
Man kann so im Menü rechts in den Kartenoptionen die gewünschte Tiefe einstellen. Befindet sich die Sprungschicht in einer Tiefe von z.B. 6 m, stellt man die Sichttiefe auf diesen Wert ein.

Alles unterhalb der 6 m wird in unserem Beispiel in weiß dargestellt. Alles was blau ist, befindet sich oberhalb der Sprungschicht und kann von den Fischen bewohnt werden.

Jetzt wird es interessant: Echte Hotspots sind die Spitzen der Unterwasserberge, die quasi aus der Sprungschicht herausragen (s. Pfeile). An diesen stapeln sich die Fische.

Am besten sind die Unterwasserberge, die ganz von tiefem Wasser umgeben sind. Für die Fische ist der über der Thermokline liegende Gewässergrund, Ruhe- und Fressplatz in einem.

Manche vergleichen diese einmaligen Situationen wie mit dem Ausverkauf in einem Grabbelshop – solch ein Getummel an Fisch herrscht dort. Hier gibts noch mehr Tipps zum Hechtangeln.

Merke: Die Sprungschicht ist ein wichtiger Faktor für erfolgreiches Fischen. Bildet ein See im Sommer diese Schicht aus, bestimmt sie das Leben unter Wasser. Fische müssen sich an die geänderten Bedingungen in ihrem Lebensraum anpassen und werden gezwungen ihre Standorte zu verändern. Für uns Angler ist sie also Fluch und Segen gleichzeitig. Auf der einen Seite müssen wir sie erkennen. Das ist teuer! Ebenso funktionieren Hotspots, die im Herbst und Frühling wirklich gut waren, im Sommer gar nicht mehr. Auf der anderen Seite, limitiert die Thermokline in vielen Gewässern die Anzahl möglicher Hotspots. Gerade in großen Gewässern, konzentrieren sich die Fische auf wenige Bereiche, so dass wir genau die Tiefe und auch die Hotspots für einen erfolgreichen Fang abschätzen können. Man muss nicht mehr so viel suchen. Nur wer die Funktionsweise der Sprungschicht genau versteht, wird im Sommer noch erfolgreicher angeln können.

Wann du doch unterhalb der Sprungschicht angeln kannst

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Immer wieder liest man, dass Fische sich entweder innerhalb oder über der Thermokline aufhalten. Der Grund hierfür ist anscheinend einfach. Unterhalb von dieser wird es bitterkalt und der Sauerstoffgehalt sinkt dramatisch ab, so dass die Fische quasi ersticken würden.

Aber stimmt das wirklich oder wird hier wieder irgendetwas verallgemeinert? Wer sich den Mythen nicht einfach so hingibt und anfängt bestimmte Angel-Tipps zu hinterfragen, der wird ordentliche Fänge auch unterhalb der Sprungschicht machen können, während alle anderen an der Oberfläche ihre Köder baden. Damit das klappt kommt es auf die folgenden Punkte an.

Hintergrundwissen: Warum soll der Sauerstoffgehalt unterhalb der Sprungschicht zu niedrig für Fische sein?

Sonnenstrahlen dringen in einigen Seen nicht sehr tief in das Wasser ein, wodurch sie die Schicht unterhalb der Sprungschicht (dem Epilimnion) nicht erreichen. Ohne Sonne gibt es in diesen Tiefen demzufolge auch keine Photosynthese. Das heißt, Pflanzen können keinen Sauerstoff bilden.

Die Sprungschicht verhindert des Weiteren eine Vermischung des sauerstoffreichen Oberflächenwassers mit dem Wasser in der Tiefe, wodurch der wenige im Tiefenwasser vorhandene Sauerstoff im Laufe des Sommers Stück für Stück von Kleinstlebewesen und Fischen verbraucht wird. Irgendwann ist die Sauerstoffkonzentration so gering, dass zuerst alle Wasserpflanzen absterben und danach die Fische den Bereich verlassen müssen.

Erst im Herbst zerfällt die Thermokline durch das sich abkühlende Wasser, wodurch der gesamte Wasserkörper vermischt und Sauerstoff wieder bis zum Grund verfügbar wird.

Und wann gibt es genug Sauerstoff unterhalb der Sprungschicht?

Hier musst du nur drei Punkte beachten.

Erstens: Wenn im Frühjahr eine Sprungschicht entsteht ist der Sauerstoffgehalt unterhalb von dieser in allen Gewässern immer noch hoch genug, das Fische dort leben können. Sie erreichen den nährstoffreichen Grund und können sich an Krebsen und anderem Getier satt fressen.

Gerade für das Angeln im Frühjahr, wenn die einzelnen Schonzeiten zu Ende sind, entscheidet dieses Wissen über einen erfolgreichen Angeltag oder einfach nur einen schönem Tag auf dem Wasser.

Zweitens: Ist das Wasser im See oder Stausee mit Sichtweiten von mehreren Metern klar bis sehr klar, dringt das Sonnenlicht sehr tief in das Wasser ein. Es reicht sogar bis unterhalb der Sprungschicht. Gerade in oligotrophen oder einigen mesotrophen Gewässern ist das regelmäßig der Fall.

Diese klaren und meist tiefen Seen sind entgegen der landläufigen Annahme nicht immer nur Alpenseen. Im Gegenteil – reichen die Sonnenstrahlen bis unter die Thermokline, kann der Sauerstoffgehalt in dieser sogar höher sein als im Epilimnion!!!

Seen werden nach ihrem Nährstoffgehalt in verschiedene Trophiestufen unterteilt. Die wichtigsten Stufen für Fische sind

  1. oligotroph (klar, kalt, wenig Nährstoffe),
  2. mesotroph (leicht trüb durch erhöhte Nährstoffkonzentration)
  3. und eutroph (trüb durch einen hohe Nährstoffgehalt).

In der heutigen Zeit ist die Landwirtschaft hauptverantwortlich dafür, wie hoch der Nährstoffgehalt in einem Gewässer ist. Je höher dieser ist, desto mehr Algen und Plankton sind verfügbar. Auch die Fischarten unterscheiden sich in den drei verschiedenen Gewässertypen.

Um die Einstufung seines Sees herauszubekommen, musst du lediglich wie folgt googeln: Seename plus trophiestatus.

Hier sind einige beispielhafte Ergebnisse: 

  • Großer Stechlinsee (oligotroph – Brandenburg)
  • Großer Mila See (oligotroph – Brandenburg)
  • Schluensee (mesotroph – Schleswig Holstein)
  • Müritz (mesotroph bis eutroph – Mecklenburg)

Drittens: Fische gibt es auch ganz natürlich unterhalb der Sprungschicht!

Die folgende Grafik haben wir auf Basis einer Fangstudie aus dem Jahr 2009 erstellt – durchgeführt wurde sie im Werbellinsee. Dabei wurden kleine, unterjährige Beutefische des Nachts mit Netzen aus den verschiedenen Wasserschichten gefangen.

Die Sprungschicht: In welcher Tiefe stehen die Fische wirklich?
Die Sprungschicht: In welcher Tiefe stehen die Fische wirklich?

Auf den ersten Blick ist die Grafik nicht besonders eindrucksvoll. Wenn man jedoch bedenkt, dass sich die Sprungschicht zu diesem Zeitpunkt zwischen 9 und 13 m befand, bekommt sie gleich einen ganz anderen Stellenwert. Einigen Fischarten scheint die Thermokline ganz offensichtlich nichts auszumachen.

Das kann zwei Gründe haben:

  1. Entweder brauchen diese weniger Sauerstoff als andere Fische.
  2. Oder es ist ganz einfach genug Sauerstoff unterhalb der Sprungschicht vorhanden.

Beides scheint in diesem Beispiel der Fall zu sein. Fische wie der Stint, die kleine Maräne oder der Stichling kommen prima mit einem geringen Sauerstoffgehalt klar. Aber auch einige Rotaugen oder Barsche treibt es unter die Sprungschicht.

Interessant ist nämlich – und das wissen nur die wenigsten – dass der Sauerstoffgehalt unterhalb der Sprungschicht oft wieder auf ein einigermaßen lebensfreundliches Niveau ansteigt. Sprich, er ist nur direkt in dieser ausgesprochen niedrig.

Sauerstoffgehalt in der Thermokline: Daten aus dem Jahr 2009, September, Werbelliner See in Brandeburg.
Sauerstoffgehalt und die Thermokline: Daten aus dem Jahr 2009, September, Werbelliner See in Brandeburg.

Genau das, können wir auch sehr gut aus den Messdaten der obenstehenden Grafik entnehmen: In dieser sehen wir, wie der Sauerstoffgehalt ab einer Tiefe von 10 m von ca. 8 mg/l auf unter 5 mg/l fällt, um danach ab ca. 15 m Tiefe wieder anzusteigen. Die Erklärung ist, dass ein steigender Wasserdruck den Sauerstoff festhält, so dass er in der Tiefe nicht mehr so schnell und stark abnimmt.

Die Folge: Den Fischen geht es unterhalb der Sprungschicht besser, als innerhalb von dieser. Auch, da die Temperatur ab dieser Tiefe konstant bei ca. 10 °C liegt.

Fische haben generell einen unterschiedlichen Sauerstoffbedarf. Dieser liegt zwischen 5 mg/l und 15 mg/l und variiert von Fischart zu Fischart. Je nachdem wie die Verhältnisse unter Wasser sind, suchen sich Fische die möglichst optimal für sie passenden Wasserschichten aus. Die Räuber folgen dabei in der Regel den Beutefischen – immer vorausgesetzt sie können.

Minimaler Sauerstoffgehalt einzelner Fischarten, um im Sommer 24 Stunden überleben zu können

Zahlen hierzu findet man in vielen Quellen, die jedoch teils recht unterschiedliche Angaben zum Mindestsauerstoffgehalt machen. Doch auf den ersten Blick erkennt man sofort, dass Fische weitaus robuster sind, als es viele Artikel über die Sprungschicht vermuten lassen.

Allein das der Hecht mehrere Tage bei einer Sauerstoffkonzentration von – Achtung – lediglich 0,1 mg/l überleben kann ist für uns beeindruckend. Wenn dieser Wert auch nur annähernd gelten sollte, dann stellt die Sprungschicht keine Grenze für Hechte dar.

Viele Fische können mit einem Sauerstoffgehalt von 3-5 mg/l ca. 12-24 Stunden auskommen, während ein Sauerstoffgehalt oberhalb von 5 mg/l bereits eine Art optimalen Lebensraum darstellt.

  • Hecht – ca. 0,1-2 mg/l
  • Barsch – ca. 4,0-5 mg/l
  • Zander – ca. 2-5 mg/l
  • Forelle – ca. 3,5 mg/l
  • Karpfen – ca. 1 – 2 mg/l

Welchen Einfluss hat die Tageszeit auf den Sauerstoffgehalt?

Der Sauerstoffgehalt verändert sich im Laufe von 24 Stunden kontinuierlich. Sauerstoff entsteht durch Photosynthese – Pflanzen produzieren ihn mit Hilfe von Sonnenlicht. Das hat zur Folge, dass nachts kein Sauerstoff gebildet, sondern nur verbraucht wird. Deshalb ist der Sauerstoffgehalt früh am Morgen sehr niedrig und am Nachmittag am höchsten.

Für uns Angler bedeutet das im Hochsommer Folgendes:

  • Die Fische stehen früh am Morgen meistens flacher als am Nachmittag. Der Fisch steht viel konzentrierter und unsere Wahrscheinlichkeit, dass sich an einem Hotspot viele Fische aufhalten ist groß.
  • Am Nachmittag erreichen die Fische mehr Bereiche in größerer Tiefe. Die Fische verteilen sich. Sie nutzen diese Zeit, um sich den Bauch vollzuschlagen, bevor der Sauerstoffgehalt wieder sinkt. Ein Angeln in Bodennähe ist jetzt sehr effektiv. Sowohl Beute als auch Räuber stehen dichter am Grund.

Wie der Sauerstoffgehalt in einem Gewässer sinkt oder steigt, hängt ebenfalls vom Gewässer selbst ab. In trüben flachen Seen kann am Morgen schon kurz unterhalb der Wasseroberfläche Schluss mit lustig für die Fische sein, während in klareren und tieferen Seen sich alles viele Meter in der Tiefe abspielt.

Was tun Fische bei niedrigem Sauerstoffgehalt?

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Ist der Sauerstoffgehalt für eine bestimmte Fischart zu niedrig, suchen deren Vertreter andere Lebensräume auf. Fische im Freiwasser steigen einfach Richtung Oberfläche auf. Fische am Ufer sammeln sich zwischen den Pflanzen. Hier ist die Sauerstoffkonzentration am höchsten. Wird es richtig eng, schnappen die Fische nach Luft, indem sie direkt an der Oberfläche Luft und Wasser gleichzeitig einsaugen.

Wenn wir dieses Verhalten beobachten, können wir das Angeln übrigens einstellen. Den Fischen ist jetzt nicht nach Fressen zumute. Es geht nur noch um das nackte Überleben und Fressen bedeutet einen zusätzlichen hohen Sauerstoffbedarf. Ist die Luft raus, leg dich an den Strand, genieße den Sommer und mach was anderes als angeln.

Hotspots im Sommer

Ist es heiß im Sommer und die Wassertemperatur in einem See steigt auf eine angenehme Badetemperatur an, können wir einige Hotspots, die viel Fisch versprechen benennen. Zum einen sind es Einmündungen von Flüssen oder Einlässe von Wasser. Hier sprudelt das Wasser und vermischt sich mit der Luft. 1 – 2 Meter unterhalb der Oberfläche ist der Sauerstoffgehalt schön hoch und die Fische stapeln sich.

Auch Wellen sorgen für viel Sauerstoff im Wasser. Meistens ist es windig, so dass die Sonnenstrahlen nicht sehr tief in das Wasser reichen (Quelle: “Modernes Fische finden – Der Zander” Seite 75 ff). So wird nur in den oberen Wasserschichten von den Pflanzen Sauerstoff gebildet. Die Fische stehen an windigen und dunklen Tagen viel höher als gewöhnlich.

Merke: Auch unterhalb der Sprungschicht findet man Fische und kann diese beangeln. Vor allem vom Frühjahr zum Sommer hin ist das kein Problem. Gerade am Nachmittag ist die Sauerstoffkonzentration im See generell am höchsten und die Fische sind aktiv auf Nahrungssuche. Ist es richtig warm, reduziert sich die Aktivität der Fische in den Morgenstunden und steigt im Laufe des Tages an. Die Fische stehen am Morgen dafür viel konzentrierter und Hotspots sind leichter zu finden. Köder sollten am Morgen und bei heißen Temperaturen zudem langsam geführt werden, da Fische sich ihre Kräfte sparen wollen. Unterwasserberge bieten in diesem Fall reichlich Futter und produzieren durch den Pflanzenbewuchs ständig neuen Sauerstoff. Dadurch ziehen sie sowohl Beute als auch Räuber magisch an. Deshalb sind Unterwasserberge im Sommer die absoluten Hotspots.

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