Angeln mit dem Echolot – Mit der richtigen Strategie erfolgreicher sein!

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Angeln mit dem Echolot – Mit der richtigen Strategie erfolgreicher sein!
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Wenige Angler kommen immer wieder mit vollen Kisten von ihren Angelausflügen zurück. Oft wird ihnen Anglerlatein oder das Wissen um magische Hotspots unterstellt. Doch viel häufiger ist es einfach die Erfahrung und die richtige Nutzung ihrer Möglichkeiten, die immer wieder zum Erfolg führt. Das Angeln heute unterscheidet sich in einigen Punkten elementar vom Angeln unserer Onkel und Großväter. Auf der einen Seite hat sich der Fischbestand geändert. Auf der anderen Seite sind technische Möglichkeiten hinzugekommen, die das Angeln erleichtern können aber auch verkomplizieren. Aus diesem Grund gewinnt derjenige, der seine Technik effektiv einzusetzen weiß!

90 % der Fische, sind auf 10% der Fläche eines Sees zu finden.

(Carl Lowrance)

 

Wie schaffen wir es also, unsere Technik so einzusetzen, dass wir sie optimal nutzen können? Diese und weitere Fragen soll dieser Artikel beantworten.

Gibt es wirklich Fische in diesem Gewässer?

Wer kennt nicht diese Schneidertage, an denen absolut nichts läuft. Man angelt und angelt, wechselt irgendwann die Köder und die Hotspots, verändert die Tiefe, doch im Ergebnis bleiben die Kisten leer. Irgendwann stellt man sich zwangsläufig die Frage, ob es wirklich Fische in diesem Gewässer gibt oder ob ein Fluch auf dem Boot, der Angel oder auf einem selbst liegt. Die Antwort liegt wie immer irgendwo dazwischen, aber ein Fluch ist es in der Regel nie.

Die Fischer sprechen oft von zwei Fischbeständen in einem Gewässer. Zum einen gibt es den allgemeinen Fischbestand und zum anderen den angelbaren Fischbestand. Nur dieser Bestand interessiert uns Angler. Nicht alle Fische sind mit der Angel zu fangen. Die einen sind schon satt, wenn wir uns auf das Wasser begeben, die anderen Fische sind von unseren Ködern wenig überzeugt oder befinden sich nicht einmal in der Nähe unseres Köders. Sie sind nicht angelbar. Wie wir ausführlich in unseren Büchern „Modernes Fische finden – Der Zander “ und „Der große Echolot Ratgeber “ ausführlich beschreiben, ist erfolgreiches Angeln ein Zusammenspiel aus Fische finden und zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. In diesem Artikel kümmern wir uns um das Fische finden und zwar mit dem Echolot.

Warum das so ist und warum ein Angler nicht schon erfolgreich ist, wenn er sein Echolotbild richtig interpretieren kann, möchten wir einmal an einem Rechenbeispiel verdeutlichen:

Ein Echolot ist für die meisten Bootsangler nicht mehr wegzudenken. Gerade auf größeren Seen scheint es schier unmöglich, ohne den Blick in die Tiefe interessante Hotspots zu finden. Der eine oder andere Angler mag darüber nun fluchen oder das in Frage stellen, aber gerade die Technik ermöglicht ein gezielteres Fischen. Doch allein ein Echolot zu haben und es anschalten zu können, eine Fischsichel zu suchen, bedeutet nicht zwangsläufig mehr Fisch in der Kiste.

Nehmen wir an, ein Angler ist in MeckPom auf dem Plauer See unterwegs der eine mittlere Tiefe von ca. 6 m aufweist. Der größtmögliche Sendekegel des benutzten Echolotes (50 kHz,60°) scannt bei dieser Tiefe eine Fläche von ca. 40m². Wenn der Angler jetzt mit einer Geschwindigkeit von 25 km/h unterwegs wäre, würde er pro Stunde, grob geschätzt, eine Fläche von 40 x 3600=144.000m² scannen können. Das sind stattliche 0,144 km². Für den gesamten See würde er dann schon 266 Stunden oder 33 Arbeitstage benötigen. Und wir sprechen immer noch von einer Bootsgeschwindigkeit von 25 km/h.

Wer also nur sein Echolot anschaltet, losfährt, den Bildschirm beobachtet und die Bilder interpretiert, ohne eine Strategie zu haben, würde wahrscheinlich einen großen Teil seiner begrenzten Angelzeit mit dem Herumfahren verschwenden. Umso gravierender wird das Problem der Zeitverschwendung, wenn man den Ausspruch, dass 90% der Fische eines Sees auf 10% der Seefläche zu finden sind, zugrunde legt.

Was ebenso wichtig ist: Man würde einige exzellenten Möglichkeiten seines Echolotes (Kombigerätes) ungenutzt lassen.

Wie man das Echolot/Kombigerät in sein Vorgehen gezielt einbinden kann und dabei die Möglichkeiten seiner Echolotbilder ausschöpft, möchte ich an drei Beispielen einmal näher erläutern:

Wie kann man Echolotbilder einfach und sicher interpretieren?

CHRIP vs. Nicht-CHIRP

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Wie wir bereits in unserem Buch „Der große Echolot Ratgeber“ beschrieben haben, ist es oft eine Herausforderung die Echosignale eindeutig zu identifizieren. Oft werden Fischsicheln undeutlich oder zu grob dargestellt. Je besser die Technik dabei ist, desto besser werden die Ergebnisse sein.

Traditionelle Echolotbilder im 2-D Verfahren sind nicht immer leicht zu verstehen. Fischwolken (Futterfisch), Unterwasserpflanzen und Felsbrocken lassen sich häufig nur unzureichend unterscheiden. Nicht selten bleibt bei dem einen oder anderen Objekt ein Fragezeichen stehen, weil man keinen Verdacht hat, was es sein könnte. Hinzu kommt dann noch die ungewohnte Sichtweise von rechts (aktuell) nach links (schon vorbei), die gewöhnungsbedürftig ist. Diesem Ratespiel kann man mit neuester Technik und neuesten Scanmethoden zuvorkommen. Zum einen kann man dafür sorgen, dass die Objekttrennung deutlich verbessert wird und die Auflösung sich verfünffacht. Man setzt ganz einfach ein Chirp Gerät mit einem Vollchirp Geber ein.

Wie groß die Unterschiede sein können, lassen diese beiden Echolotbilder vermuten, die parallel mit einem Simrad Go7 bei 200 kHz (links) gemacht wurden und einem Garmin echomap 52cv mit Chirpgeber. Die Erkennungsrate verbessert sich mit einem echten CHIRP Geber wesentlich.

Fotorealistische Bilder

abb.1downscan fotorealistische echolotbilder interpretationFischsicheln auf der 2-D Anzeige (blauer Hintergrund sind nicht immer Fische. Oft stecken Hindernisse hinter den Sicheln. Gerade diese Hindernisse sind wahre Hotspots für viele kleinere Fische, da sie Futter und Schutz bieten. Die Räuber machen regelmäßig ihre Beutezüge zu diesen Hotspots. Wer dann zur richtigen Zeit hier angelt, wird den ein oder anderen Räuber wie Hecht oder Barsch an den Haken bekommen können. Mit dem richtigen Echolot und den korrekten Einstellungen, kann man diese Hotspots leicht identifizieren.

Man splittet den Bildschirm auf seinem Echolot. Parallel zum 2-D Verfahren wählt man zusätzlich das Downscanbild. Das bringt häufig sofort Klarheit in die Unterwasserwelt. In diesem 2-D Echolotbild vermutet man Fische und Unterwasserpflanzen. Das Downscanbild gibt Gewissheit, bei genauem Hinsehen, wird auch der Fisch bestätigt (helle Punkte in den Pflanzen), so dass keine Unklarheiten mehr vorhanden sind. Der linke Split Screen zeigt noch einmal deutlich, wie sich Fisch im Downscanbild darstellt.

GPS Karten oder Wie kann man sehr schnell Hotspots an unbekannten Gewässern finden?

abb.3 fischfinder gps KartenIch will diese Frage einmal an einer Beispielsituation erläutern, wo sich der Fangerfolg sehr schnell eingestellt hat.

Es ist Oktober zur besten Zanderzeit und man ist zum ersten Mal an einem großen Binnensee und man möchte seinem Lieblingsfisch erfolgreich nachstellen. Der erste Blick sollte dann der bathymetrischen Seekarte (Angelkarte) im Plotter gelten, mit dem Ziel, schnell erfolgversprechende Gebiete und Stellen anhand der Gewässerformation zu finden. In unserem Beispiel ist das der Hangbereich links, der bis auf rund 20 m abfällt. Im Uferbereich ist jede Menge Futterfisch zu erwarten, so dass sich kleinere Räuber bis ca. 8 Pfund an der ersten Kante aufhalten könnten. Die großen Exemplare würde man im Frühherbst tagsüber in tieferen Bereichen um die 10 m vermuten („Modernes Fische finden – Der Zander “ Kap. 8.4.9). Das Angeln konzentriert sich jetzt ausschließlich auf dieses Gebiet, das in langsamem Schlepptempo abgefahren wird. Das Echolot wird auf die Frequenz mit dem größten Sendekegel eingestellt (oder Mid Chirp), um während des Schleppens einen möglichst großen Bereich scannen zu können.

Der erste SchleppTrack an der 7 m Kante brachte dann auch schon Erfolg und sofort zwei Exemplare von vier und sieben Pfund. Auf der zweiten Trackroute (10-15 m) wurden einzelne große Räuber auf dem Echolotbild gesichtet , die dann gezielt beangelt (tieftauchende Wobbler, Schlepptiefe ca. 6 m) wurden (Echolotbild rechts). Im Ergebnis hatten wir dann auch zwei ausgewachsene Exemplare in zwei Tagen am Haken.

SIDE Scan oder Wo genau hält sich der Fisch jetzt wirklich auf?

abb.4 sidescan echolot bilder intepretation Wer eine große Fischsichel auf seinem 2-D Echolotbild sieht ist einen ersten Schritt in Richtung Fisch gemacht. Doch auch wenn uns das Echolot anzeigt, dass sich unter dem Boot ein Brocken befindet, weiß man mit einem 2D Echolot noch lange nicht, auf welcher Seite sich dieser Fisch befindet. Allein dieser Umstand ist einigen Echolotbenutzern nicht bekannt. Je nach Tiefe und Einstellung am Echolot kann sich der Fisch mehrere Meter links, rechts, vor oder hinter dem Boot befinden. Wird z.B. ein 60° Öffnungswinkel beim Echolot benutzt, könnte sich ein Fisch, der in 10 Meter Tiefe erscheint und eine hübsche Fischsichel bildet, ganz locker entweder 10 m links oder 10 m rechts vom Boot befinden. Der Sonaregel erfasst in 10 m Tiefe und bei einem 60° Öffnungswinkel ganze 104 qm!!!

Wer diesen Umstand nicht kennt, wird wahrscheinlich viele viele erfolglose Würfe machen, bevor er irgendwann frustriert aufgibt.

Die Frage wo der fisch sich aufhält lässt ich durch ein paar Strategien eingrenzen oder in mit der Sidescantechnik in Verbindung mit dem 2-D Echolot im Stillwasser schnell und sicher beantworten. Für den Angelerfolg beim pelagischen Angeln ist das Wissen um den genauen Standort des Fisches unter dem Boot immens wichtig. Im vorgezeigten Beispiel habe ich zur besseren Differenzierung in diesem Vergrößerungsmaßstab, die Anzeige mit Fischsymbolen eingestellt.

Diese Darstellung ist zwar nicht so zuverlässig, hebt sich hier aber besser gegen das Gelände ab, als es Fischsicheln tun würden. Zu beachten ist bei diesem Verfahren allerdings, dass die Scanbereiche von 2-D und Down-/Sidescan unterschiedlich sind und deshalb nicht synchron die gleichen Zustände anzeigen müssen. Das Downscanbild z.B. bildet nur einen sehr schmalen Bereich in Fahrtrichtung ab, so dass Fische auf dem 2-D Bild auftauchen können, die im Downscan später kommen. Im vorliegenden Beispiel ist die Fischpopulation auf allen drei Bildern zu sehen, der Sidescan gibt die genaue Lage zur Bootsposition an. Mit dem richtigen Echolot kann man den Fisch markieren und mittels GPS exakt ansteuern.

Merke

Das Echolot ist eines der teuersten Ausrüstungsgegenstände beim Angeln. Wer weiß, wie man das Echolot richtig und effektiv einsetzt, kann gezielt Hotspots finden. Mit dem richtigen Wissen holt man mehr aus seiner Ausrüstung raus und kann die reine Angelzeit enorm erhöhen, was insgesamt zwangsläufig zu mehr Fischen in der Kiste führen wird.

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